Los Angeles/New York - "Ohne diese Leute bin ich nicht lustig." - Klare Worte von US-Talkstar Jay Leno, der genau weiß, was es heißt, wenn man plötzlich für eine tägliche Comedy-Sendung keine Gags mehr geliefert bekommt.

Genau dies ist seit Montag der Fall: Die amerikanischen Scriptwriter, vertreten durch die Autorengewerkschaft Writers Guild (WGA), haben nach vorerst gescheiterten Verhandlungen mit Produzenten einen einstimig beschlossenen Streik angetreten, der das System audiovisueller Verwertung und ihrer Honorierung einschneidend verändern könnte.

Drei Cent für eine DVD

Seit einigen Jahren und vor dem Hintergrund zunehmend einträglicher Auslagerung von Kino- und TV-Produktionen auf DVD und ins Internet steigen die Autoren auf die Barrikade: Es geht um bessere prozentuelle Abgeltung für Zweit- und Mehrfachverwertungen: Von einer DVD etwa, die im Handel 20 Dollar kostet, erhalten die Autoren bis dato lediglich 3 Cent.

Die Produzenten wiesen die Forderung der WGA nach einer Erhöhung auf 4 Cent bis dato vehement zurück. Ihre Begründung: Die Gewinnmargen seien äußerst dürftig und das Problem der Raubkopien immer noch nicht im Griff. Die Verwendung von Filmmaterial im Internet wiederum sei eine PR-Maßnahme. Auch bei den Honoraren für ausgestrahlte Wiederholungen im Fernsehen konnte bis dato keine Einigung erzielt werden.

22 Wochen Streik

Angaben der WGA zufolge waren in Los Angeles schätzungsweise 3000 der USA-weit 12.000 Mitglieder auf Streikposten und demonstrierten vor den großen Filmstudios für eine bessere Bezahlung. In New York hatten sich bereits am Montagvormittag rund 75 Drehbuchschreiber vor der Zentrale des TV-Senders NBC am Rockefeller Center versammelt und riefen: "Kein Geld? Kein Frieden!"

Und Stars wie Jay Leno unterstützen sie dabei nicht weniger demonstrativ: Leno fuhr mit seinem Motorrad bei den Streikposten vor NBC vor und überreichte ihnen Doughnuts - Late-Night-Shows wie die seinen, die von aktuellem Material leben, stellen gerade auf Wiederholungs- und Best-Of-Betrieb um. Konventionelle TV-Serien- und Kino-Produktionen werden erst später betroffen sein. In der Regel wird in der Branche mindestens für ein halbes Jahr vorausgeplant und -geschrieben.

Barack Obama und Hillary Clinton solidarisch

Unterstützung bekamen die Streikenden auch von den beiden demokratischen Präsidentschaftsbewerbern Barack Obama und Hillary Clinton. Nur einige Mitglieder der 12.000 starken Autorengewerkschaft äußerten sich wenig begeistert darüber, dass sie zum Streik gezwungen sind. "Die meisten würden lieber arbeiten", sagte Thomas Lennon, der unter anderem das Drehbuch für die Ben-Stiller-Komödie Eine Nacht im Museum schrieb. "Aber wir wollten einen fairen Vertrag."

Zuletzt hatten die Autoren 1988 für 22 Wochen gestreikt, dies kostete die Unterhaltungsindustrie rund 500 Millionen Dollar.

Diesmal ist die Situation aber ungleich brisanter: Von einer Einigung zwischen der WGA und den Produzenten könnten auch die Gilden der Schauspieler und der Regisseure profitieren. In den vergangenen Jahren übernahmen die beiden verbliebenen der drei Gewerkschaften in der Regel den Abschluss, den die erste erzielte. (cp, APA/DER STANDARD; Printausgabe, 7.11.2007)