Salzburg – Rundherum Bahngleise, Schrebergärten und Lagerhallen: Neuer Nachbar im Salzburger Stadtteil Schallmoos ist eine Holzkirche nach traditionellen rumänischen Plänen. Beherbergen wird sie Salzburgs rumänisch-orthodoxe Pfarrgemeinde. Was vor dem fünften November noch fehlte, war der Turm.

Foto: derStandard.at/ Markus Peherstorfer

Pfarrer Dumitru Viezuianu (rechts, im Priestergewand) von der rumänisch-orthodoxen Gemeinde in Salzburg sprach auf der Baustelle den Segen: "Heute geschieht eine Begegnung zwischen Himmel und Erde, der neue Turm verbindet uns gewissermaßen nach oben." Erzabt Edmund Wagenhofer vom katholischen Stift St. Peter (links, mit Kreuz) hat den Baugrund zur Verfügung gestellt.

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Bauarbeiter und Kran sind in Stellung gebracht, die Luftfahrt kann beginnen. Der Turm wiegt etwa zwei Tonnen und wurde so wie der Rest der Kirche vom rumänischstämmigen Salzburger Architekten Eugen Dumitru geplant. Dabei hat er sich an der traditionellen rumänischen Holzbauweise orientiert.

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Der Turm segelt mitsamt zwei Zimmerern durch die Luft. Für die Pfarrgemeinde ist es ein großer Moment: Sie ist eine von nur fünf in Österreich, die anderen Pfarren sind Wien, Linz, Graz und Knittelfeld. Bei der Volkszählung 2001 gab es in ganz Österreich knapp 3.000 Rumänisch-Orthodoxe. Sie sind dem Metropoliten für Zentral- und Nordeuropa mit Sitz in Nürnberg unterstellt.

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Aufmerksam nach oben gerichtet sind die Gesichter im herbstlichen Salzburg. Links neben Pfarrer Viezuianu kommentiert Alt-Landeshauptmann Hans Katschthaler (ÖVP) das Geschehen. Er konnte bei einer Liechtensteiner Stiftung 100.000 Euro für den Kirchenbau auftreiben. 12.000 Euro kamen vom Land Salzburg, 5.000 vom Salzburger Raiffeisenverband.

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Der Turm setzt auf dem 20 Meter langen und acht Meter breiten Kirchengebäude auf. Bis zu 25 Helfer aus der Kirchengemeinde seien während des Baus gleichzeitig auf dem Dach gewesen, sagt Pfarrer Viezuianu. In 70 Tagen war die Kirche fertig. Am 11. November wird der Nürnberger Metropolit zu Gast sein, um die erste Messe zu feiern. Zur Kirchweihe im Frühjahr soll dann der Patriarch von Bukarest kommen.

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20 Meter hoch ist die fertige Kirche. Nach den Daten der Volkszählung 2001 gab es in Österreich zusammen etwa 174.000 orthodoxe Christen. Das Gros, nämlich 74.000, stellten demnach die Serbisch-Orthodoxen, gefolgt von den Russisch-Orthodoxen. Die Rumänen sind die drittgrößte Gruppe. Die Orthodoxie ist seit dem Toleranzedikt von Kaiser Josef II. im Jahr 1782 in Österreich als Kirche anerkannt.

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Die Ikonostase trennt in orthodoxen Kirchen den Altarraum vom Rest des Gebäudes. Die Salzburger Ikonostase ist eine Schnitzarbeit in Eiche aus Moldawien. Gespendet wurde sie von einem rumänischstämmigen Salzburger Ehepaar, nach und nach soll sie mit Ikonen geschmückt werden. Sitzreihen gibt es in orthodoxen Kirchen übrigens keine – die Gläubigen stehen.

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Nach der rumänisch-orthodoxen Kirche in Wien-Simmering, die 2003 eingeweiht wurde, haben nun auch die Salzburger Gläubigen ihre eigene Kirche. Bisher feierten sie ihre Gottesdienst in der katholischen Dreifaltigkeitskirche. Insgesamt umfasst die rumänisch-orthodoxe Kirche etwa 20 Millionen Gläubige. In Rumänien erlebt sie seit dem Sturz der kommunistischen Diktatur 1989 einen Aufschwung. (Markus Peherstorfer/ derStandard.at, 6. November 2007)

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