Heinz Oberhummer (66).

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Mit Klaus Taschwer sprach der Physiker Oberhummer über die Versäumnisse der Schulen und die harte Arbeit der Wissenschaftskommunikation.

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STANDARD: In einer Studie wurde kürzlich erhoben, dass Josef Broukal der bekannteste Wissenschafter Österreichs ist. Dahinter folgen der Physiker Anton Zeilinger und der Staatsoperndirektor. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Oberhummer: In Österreich läuft die Wissenschaftskommunikation seit langem völlig falsch. Diese Untersuchung, die Sie erwähnen, hat mich wirklich schockiert, aber irgendwie auch bestätigt, was ich immer schon ahnte.

STANDARD: Was sind die Gründe, dass sich nur so wenige für die Forschung interessieren?

Oberhummer: Es liegt jedenfalls nicht an den Leuten. Es liegt daran, dass die Forschung und die Technik vollkommen falsch verkauft und vermittelt werden.

STANDARD: Was läuft denn alles schief?

Oberhummer: Es beginnt mit der Schule. Ich kenne keinen Zehnjährigen, der sich nicht für Naturwissenschaften interessieren würde. Mit 18 bei der Matura gelten Physik und Chemie als die unbeliebtesten Fächer. Da kann doch was nicht stimmen!

STANDARD: Sind denn nicht auch die Universitäten und die Wissenschafter selbst schuld am der Misere?

Oberhummer: Das ist zum Teil richtig. An den Universitäten wird – im Vergleich zu einer Firma – viel zu wenig Geld für PR ausgegeben. Und in der Wissenschaft selbst zählt populärwissenschaftliches Engagement nicht. Das ist ja eine Riesenarbeit, komplexe Inhalte so zu transformieren, dass sie verständlich werden. Warum sollten Forscher Zeit für etwas opfern, das ihnen für die Karriere nichts bringt?

STANDARD: Sie glauben, dass sie es dennoch sollten. Warum?

Oberhummer: Wissenschaftsvermittlung ist etwas ganz Zentrales für die Forschung. Wenn wir nicht die Bevölkerung überzeugen, wie wichtig die Naturwissenschaften sind, dann kümmern sich auch die Politiker nicht darum.

STANDARD: Haben Sie so etwas wie ein Erfolgsgeheimnis?

Oberhummer: Wichtig ist, dass man sich seinem Publikum anpasst. Ich spreche über meine Wissenschaft mit einem Biologen anders als mit einem Physiker. Und noch einmal anders mit einer Friseurin. Formeln darf man keine verwenden, sondern man muss vereinfachend übersetzen, ohne dass es falsch wird.

STANDARD: Und wie reagieren Ihre Kollegen darauf?

Oberhummer: Manche sicher mit Skepsis und Neid. Das sind aber die eher durchschnittlichen Wissenschafter, die sich auch über diese Vereinfachungen am meisten aufregen. Forscher vom Rang eines Anton Zeilinger, die stehen da drüber. (DER STANDARD, Printausgabe, 7.11.2007)