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Wien - "Ich hoffe, dass sich kurz vor Weihnachten die Situation wieder entspannt", sagt Martin Reichard, Geschäftsführer des Instituts für wirtschaftliche Ölheizung (Iwo). Reichard spielt damit auf die hohen Heizölpreise an, die derzeit bei durchschnittlich 75 Cent pro Liter liegen und die sich naturgemäß an den steigenden Erdölpreisen orientieren. Niedrigere Ölpreise scheinen aber in weiter Ferne: Ein Fass der US-Sorte WTI verteuerte sich am Dienstag um 1,70 Dollar auf 95,68 Dollar (65,77 Euro). In der vergangenen Woche mussten zeitweise 96,24 Dollar und damit so viel wie noch nie gezahlt werden.

Verzögerte Einlagerung

Für Ölofen-Besitzer verschärfend kommt heuer noch dazu, dass sich viele Kunden angesichts des warmen Frühlings mit der Einlagerung für den Winter Zeit gelassen haben und jetzt angesichts des abrupten, winterlich-kalten Herbstbeginnes schnell einlagern müssten, so Reichard.

Hohe Brennstoffpreise hat die Arbeiterkammer Niederösterreich bei einer aktuellen Preiserhebung bei fast allen Energieträgern festgestellt: Egal ob Scheitholz, Holzbriketts, Kohle oder eben Heizöl. Lediglich Erdgas entwickelte sich seitwärts, was Horst Krumholz von der Konsumentenberatung der AK NÖ damit erklärt, dass es noch nicht so lange "mehr Anbieter und deshalb mehr Konkurrenz" gebe.

Der einzige Energieträger, der kräftig billiger geworden ist, sind Holzpellets. "Ich hoffe, dass wir bald einen fünfzigprozentigen Kostenvorteil gegenüber Heizöl extraleicht haben", sagt Christian Rakos, Geschäftsführer der Vereinigung ProPellets. Allerdings, gibt er zu, leide das Image der Pelletsheizung noch immer unter der Preisrallye vom Herbst des Vorjahres. "Die Kunden haben noch nicht mitbekommen, dass Pellets wieder billiger geworden sind." Zusammen mit den höheren Anschaffungskosten im Vergleich zu Gas- oder Ölheizungen um ein gutes Drittel sei dies ein Hemmschuh für Häuselbesitzer, die sich eine neue Heizung anschaffen wollen. Auch wenn in den Bundesländern unterschiedlich hohe Förderungen die vergleichsweise höheren Kosten bei bei Pelletsheizungen wettmachen.

Hohe Nebenkosten

Auch Ölheizungsmann Reichard spricht sich für eine Erneuerung des Ofenbestandes aus. "Es gibt sehr viele alte Ölheizungen am Markt", sagt er. Wenn diese erneuert werden, könne man sich mehr ersparen als mit Brennstoff-Preisvergleich. Eine neue Heizung brauche dank besserer Brennwerttechnik rund 40 Prozent weniger Öl. Trotz Pellets-Boom sind Öl- und Gasheizungen noch immer die häufigsten Heizsysteme auf dem Land.

AK-Mann Krumholz plädiert dafür, weniger auf die Brennstoffpreise selbst als auf die Nebenkosten zu achten. "Die größten Preisunterschiede entstehen durch unterschiedliche Transportkosten und Zustellpreise", sagt er. "Da kann es zu bösen Überraschungen kommen." (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.11.2007)