San Francisco - Oxytocin macht Menschen offenbar großzügig: In Verhaltenstest spendeten Versuchspersonen mehr Geld an einen unbekannten Partner, wenn sie zuvor eine Dosis des Hormons verabreicht bekommen hatten. Wie spendabel die Versuchspersonen durch das Hormon wurden, ließ sich sogar beziffern: Die Menschen waren um insgesamt 80 Prozent großzügiger, berichten US-Forscher im Online- Journal "PLoS One". Sie vermuten, dass Oxytocin das Einfühlungsvermögen erhöht.

Paul Zak von der Claremont Graduate University (Claremont/US-Staat Kalifornien) und seine Mitarbeiter hatten ihren Versuchspersonen einen Geldbetrag gegeben und sie gebeten, diesen mit einem unbekannten Partner nach Belieben zu teilen. Dieser konnte die angebotene Summe entweder annehmen und beide behielten ihren Anteil oder er konnte die Summe zurückweisen, wenn sie ihm zu gering erschien. In letzterem Fall würden beide Versuchsteilnehmer leer ausgehen. Die Hälfte der Probanden bekam vor Versuchsbeginn ein Oxytocin-Spray in die Nase gesprüht, die andere Hälfte unwirksames Salzwasser.

Die Oxytocin-Probanden spendeten nun durchweg mehr Geld als die Teilnehmer der Placebo-Gruppe, obwohl sie selbst dadurch weniger Geld erhielten. Vermutlich erleichtere das Hormon den Versuchspersonen, sich in ihr Gegenüber einzufühlen. Indem sie großzügig spendeten, versuchten sie, ihrem Partner eine Enttäuschung zu ersparen.

Treuehormon

Es gebe zahlreiche Alltagssituationen, die den Oxytocin-Gehalt steigen ließen, etwa Berührungen oder Vertrauensbeweise von anderen Personen, erklärten die Forscher. Oxytocin ist auch als Bindungs- oder Treuehormon bekannt. Es fördert bei Menschen vor allem die Mutter-Kind-Bindung, stabilisiert vermutlich aber auch Paarbeziehungen. Es wird im Gehirn bei Berührungen oder beim Sex freigesetzt. Im Jahr 2005 hatte Zak bereits nachgewiesen, dass Oxytocin Vertrauen fördert. (APA/red)