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Die Kritik der Datenschützer hat offensichtlich nichts bewirkt: Beim Check-in ins Spieleparadies im "Haid Center" werden die Kinder weiter fotografiert und die Daten ungefragt gespeichert - Von Kerstin Scheller

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Linz - "Name?" "Moritz und Lukas." Ob die Handynummer gleich geblieben sei, fragt die Frau hinter dem Computerbildschirm. Sie liest sie der Mutter vor, die nickt. "Dann könnt ihr schon hineingehen", wendet sich die Betreuerin den Kindern zu. Bevor sie den Türöffner zum Spieleparadies drückt, wird den Buben noch ein Namenspickerl auf den Pulli geklebt, und der Drucker spuckt für die Mutter den Abholzettel mit den gespeicherten Daten über ihre Familie aus. Von jenem Besucher, der zum ersten Mal ins Kinderland kommt, wird "zur Sicherheit" noch ein Foto zur Archivierung gemacht.

Zugangsbestimmungen

Als "klar rechtswidrig" verurteilte der Arge-Daten-Geschäftsführer Hans G. Zeger vor einem Jahr im Standard (9. 11. 2006) diese Art des Eincheckens in das "Kinderland" des Einkaufscenters Haid bei Linz. Der Betreiber des Spieleparadieses, der Grazer Verein "Wiki", versicherte daraufhin, die Zugangsbestimmungen zu korrigieren.

Geschäftsführer Peter Schwarz besprach sich mit Zeger, wie das Anmeldesystem datenrechtlich nachgebessert werden könne. Die Lösung: Bei der Anmeldung müssen die Eltern gefragt werden, ob Foto und Angaben zur Person auf dem Computer gespeichert werden dürfen. Wird dies nicht ausdrücklich bejaht, müssen die Daten nach Abholen des Kindes gelöscht werden.

Telefonnummern der Eltern abgefragt

Moritz und Lukas waren in der vorigen Woche wieder in Haid spielen, nach einer längeren Sommerpause. Das Abgeben der Kinder verlief allerdings wie gehabt. Die Mutter wurde gefragt, ob Adresse, Geburtsdaten, und Telefonnummern der Eltern noch stimmen. Ihre Zustimmung, diese Angaben archivieren zu dürfen, hat sie niemals den Betreuern gegeben, auch wurde sie niemals darauf hingewiesen. Das Mädchen, das nach Moritz und Lukas zur Anmeldung kommt, wird ebenfalls ungefragt fotografiert und ihre Daten archiviert.

Kindersicherung

"Wir haben jetzt eine standardisierte Anmeldung", versichert Schwarz nach neuerlicher Rückfrage. Es geschehe nichts mehr ohne Einwilligung der Eltern. Allerdings könne er nicht garantieren, dass sich jeder Mitarbeiter an die neuen Richtlinien halte. Deshalb werde er in Haid nachfragen.

Serviceleistung

"Wiki" managt in Österreich zehn Kinderbetreuungseinrichtungen von Einkaufszentren. Beschwerden habe es noch nie gegeben. "Das Anmeldungs-Procedere entspricht den Sicherheitsmaßstäben", das versteht Schwarz als Serviceleistung. Dank Foto sei eine raschere Kinderidentifizierung und eine bessere Wiedererkennung möglich - nur für den Fall, dass ein Namenspickerl verloren gehe.(Kerstin Scheller/DER STANDARD Printausgabe 8.11.2007)