Berlin - 2,6 Prozent Wachstum heuer in Deutschland, aber nur mehr 1,9 Prozent Plus im Jahr 2008: Zu dieser Prognose kommen die fünf "Wirtschaftsweisen" in Deutschland in ihrem Herbstgutachten. Dies sei aber "noch kein Indiz dafür, dass der Aufschwung zum Erliegen kommt oder gar eine Rezession bevorsteht", betonte der Chef des Sachverständigenrates, Bert Rürup, am Mittwoch bei der Präsentation.

Wegen der schwächelnden US-Konjunktur und der Finanzmarktkrise werde der Aufschwung im kommenden Jahr nicht mehr vom traditionell starken Außenhandel getragen, sondern vom Privatkonsum, der in Deutschland jahrelang geschwächelt hatte, jetzt aber wegen der niedrigen Arbeitslosigkeit immer kräftiger wird.

Weise warnen Merkel

Zum Aufschwung, so Rürup, hätten neben moderaten Lohnrunden auch die Reformen der Regierung beigetragen. Eindringlich warnen die "Wirtschaftsweisen" Kanzlerin Angela Merkel nun davor, diese "Reformdividende" durch eine Verwässerung der Reform zu verspielen. Kritik üben sie am geplanten Mindestlohn im Postgewerbe und an der Verlängerung des Arbeitslosengeldes I für ältere Arbeitslose. Die sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben vor zwei Wochen für dieses Jahr ein Wachstum von 2,6 Prozent und für nächstes Jahr ein Plus von 2,2 Prozent vorausgesagt.

Die Steuereinnahmen werden laut "Arbeitskreis Steuerschätzung" 2007 und 2008 um 8,5 Milliarden Euro höher ausfallen, als noch im Mai angenommen. Dabei wird der Anstieg im kommenden Jahr mit 4,1 Milliarden Euro etwas geringer ausfallen als heuer mit 4,4 Milliarden Euro. (bau, DER STANDARD Printausgabe, 8.11.2007)