Über die Finanzkrise diskutierten die Vorstände (v. li.): Thorsten Paul, Investkredit; Thomas Uher, Erste Bank; Regina Prehofer, Bank Austria Creditanstalt; Karl Sevelda, RZB. Moderiert hat Standard-Wirtschaftsressortleiter Andreas Schnauder

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Wien - Die Finanzkrise wird nicht ohne Folgen für einfache Bankkunden bleiben: "Der Rohstoff Geld ist teurer geworden", sagt Thorsten Paul, Vorstandsmitglied der Investkredit bei einer Diskussion des Finanz-Marketing-Verbands. Wie im klassischen Rohstoffbereich wird man diese höheren Kosten an die Kunden weitergeben müssen. Diese Ansichten teilen auch Regina Prehofer, Kommerzkundenchefin der Bank Austria, RZB-Vorstand Karl Sevelda und Erste-Bank-Österreich-Vorstand Thomas Uher.

Auslöser dieser Entwicklung sind die höheren Refinanzierungskosten der Banken, die aus dem gegenseitigen Misstrauen der Institute resultieren. Niemand weiß, welche Bank noch uneinbringliche Forderungen aus dem Hypothekarsektor in den Büchern stehen hat. Sevelda ärgert sich, dass die Institute das Geld zu dem für Zwischenbankausleihungen bestimmten Satz (Euribor) gar nicht aufnehmen könnten. "Zu diesen Konditionen bekommt man das Geld nie."

Grund zur Sorge

Auf die Realwirtschaft hätten sich die Turbulenzen der Finanzmärkte noch nicht ausgewirkt, den meisten Industrien gehe es noch gut. "Die Meldungen, dass sich diese Immobilienkrise jetzt auch auf Gewerbeimmobilien auswirkt, gibt aber Anlass zu neuen Sorgen", meint Sevelda. Und, so der Tenor der Diskutanten: Wenn die Finanzkrise länger andauern sollte, seien gravierende konjunkturelle Folgen nicht zu vermeiden.

Auf die wirtschaftliche Entwicklung von Osteuropa haben sich die Finanzmarktturbulenzen kaum ausgewirkt. Konsequenzen habe es dennoch gegeben, führt Uher aus. "Das Risiko für einige Länder hat zugenommen, die so genannten Länderaufschläge sind gestiegen. Es gibt aber keinen Grund, warum das dynamische Wachstum plötzlich einbrechen sollte", so Uher. In Osteuropa oder Regionen wie Kasachstan sei die politische Sicherheit für den wirtschaftlichen Erfolg entscheidend.

Neue Finanzierungen

Einig waren sich die Bank-Vertreter, dass durch die verschärfte Liquiditätssituation andere Finanzierungsformen, vor allem für Geschäftskunden, an Beliebtheit gewinnen werden.

"Der Trend zu anderen Finanzierungsformen als der klassischen Kreditfinanzierung wird zunehmen. Hybridkapital etwa wird immer wichtiger und in Zukunft sicher öfter eingesetzt werden", sagt Prehofer. Die österreichischen Großkunden seien auch offen für diese neuen Finanzierungsformen. Vor allem "Sondertöpfe, wie etwa Förderungen werden wieder stark zunehmen", sagt die Bank-Austria-Expertin.

"Der Fächer der Finanzierungen wird größer werden", gab sich auch Sevelda überzeugt. Für manche Kunden würde etwa Mezzanin-Kapital ohnehin mehr Sinn machen als der klassische Kredit. Die Frage werde sein, "wie die Banken auf diese veränderte Finanzierungssituation reagieren", fasst Uhr zusammen. (Bettina Pfluger, DER STANDARD Printausgabe, 8.11.2007)