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Interessantes zeitliches Zusammentreffen: Wenige Tage, bevor Apples iPhone in Europa landet (diesen Freitag in Deutschland und Großbritannien), schlägt Google mit seinen eigenen Handyplänen Wellen.

Baukasten

Für Käufer und Benutzer von Handys war Googles Ankündigung so, als ob ein bekannter Autohersteller wie BMW nach viel (vom Konzern liebevoll genährter) Spekulation mit großem Fanfare bekanntgibt, dass er in Kürze einen Baukasten auf den Markt bringt mit allem, was ein Auto braucht, damit es fährt - sobald dann die Karosserieschneider und Zubehörbauer das Ihre getan haben, werden Autokäufer irgendwann im nächsten Jahr auch Autos auf Basis dieses Bausatzes kaufen können.

Google und Apple im selben Boot

Dennoch hat Googles "Android" getaufte Initiative mit Apples iPhone mehr gemeinsam, als es auf den ersten Blick aussieht: Internet als zentrales Feature kommender Handygenerationen. Das war es auch, was Google-CEO Eric Schmidt in seiner telefonischen Pressekonferenz auf die Frage von Journalisten antwortete, was denn jetzt Konsumenten von den "G-Phones" erwarten können: Internet über den Webbrowser werde so leicht und schnell zu benutzen sein wie vom PC gewohnt. Auch Apple preist, zu Recht, seinen Webbrowser Safari am iPhone als vollwertigen Onlinezugang - soweit dies auf einem Display mit einer Diagonale von 3,5 Zoll möglich ist.

Handys müssen aufholen

Die Adaption von Handys für neue Zwecke als "nur" zu telefonieren vollzieht sich in Schüben, sowohl in technischer als auch sozialer Hinsicht. Vom Reden zum Texten (SMS), zum Organizer, zur Kamera, zur Musik, zur E-Mail, ins Internet (nicht notwendigerweise nur in dieser Reihenfolge). Aber auch wenn Smartphones mit all diesen und noch mehr Funktionen als ein Schweizermesser ausgestattet sind, die tatsächliche Verwendung hinkt hinterher. Vor allem bei Web-Anwendungen wie Blogs oder Fotos sind Handys bisher selten das Medium der Wahl. Zu langsam, zu umständlich ist ihre Bedienung, und ein Grund dafür ist, dass sie technisch gesehen noch immer mehr Handys als Computer sind.

Kampf zu zweit

Hier kommen Apple und Google ins Spiel: Sie kommen aus der Multimedia- bzw. Onlinewelt, und ihre Fähigkeit, diese auf den kleinen Bildschirm zu bringen, hilft bei der "Neuerfindung" des Handys, wie Apple-Chef Steve Jobs großspurig das iPhone vorstellte. Paradoxerweise hat sich Microsoft trotz PC-Genen diesen Ruf allenfalls beim IT-affinen Publikum, aber nicht bei Konsumenten erworben.

Offene Plattform

Die gepriesene "Offenheit" der Google-Plattform ist dabei für Entwickler und Hersteller interessant, ihr praktischer Nutzen muss sich aber erst am Markt beweisen. Denn die "Geschlossenheit" der Handywelt, die eben nicht wie ein PC funktioniert, hat auch Vorteile: Wenn am PC etwas nicht funktioniert, kann man sich vom Betriebssystem- zum Hardware-, zum Softwarehersteller sowie beim Salzamt beklagen gehen - Abhilfe bringt dies keine. (Helmut Spudich/DER STANDARD, Printausgabe 8.11.2007)