Bei einem Amoklauf an einer Schule in Finnland hat ein 18-jähriger Schüler am Mittwoch acht Menschen erschossen, darunter die Direktorin. Anschließend schoss sich der Täter in den Kopf; am Abend erlag er wenige Stunden danach in einem Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Etwa zwölf Schüler und Lehrer wurden laut Polizeiangaben verletzt, als sie aus dem Schulgebäude flüchten wollten. Das Massaker an der Jokela-Schule in Tuusula, 50 Kilometer nördlich von Helsinki, soll der junge Mann zuvor in einem Video auf der Internetplattform YouTube angekündigt haben.

"Jokela High School Massacre - 11/7/2007"

Er stellte unter dem Titel "Jokela High School Massacre - 11/7/2007" am Dienstag offenbar ein Video ins Internet, auf dem u.a. zwei rot eingefärbte Fotos eines jungen Mannes mit Schusswaffe zu sehen waren, wie finnische Medien berichteten. Die Aufnahme stammt laut User-Profil von einem 18-jährigen Finnen, der unter dem deutschsprachigen Pseudonym "Sturmgeist89" zu einer "Revolution gegen das System" aufruft. Zu sehen ist außerdem ein junger Mann, der ein T-Shirt trägt mit der Aufschrift in englischer Sprache trägt: "Die Menschheit wird überbewertet".

Auf YouTube bezeichnete sich "Sturmgeist89" als "zynischen Existenzialisten" und "menschenunfreundlichen Humanisten". Er werde alle vernichten, die "der menschlichen Rasse unwürdig" seien und sei bereit, für seine Sache zu sterben.

Mein Krieg

Er posierte mit einer Waffe, deren Typ mit der bei der Schießerei in der Schule verwendeten übereinstimmt. Außerdem zollte der jugendliche Täter den Amokläufern der Columbine-Highschool in den USA 1999 und anderen Massenmördern Respekt. Sein Profil auf YouTube endete mit den Worten: "Und denk daran, dies sind mein Krieg, meine Ideen und meine Pläne (...) Beschuldige nicht meine Eltern oder meine Freunde." Er habe niemandem von seinem Vorhaben erzählt.

Berichten von Augenzeugen und der Polizei zufolge zog der Täter um 11.45 Uhr Ortszeit im Mehrzweckraum der Schule eine Neun-Millimeter-Waffe vom Typ Sig Sauer und feuerte wahllos in alle Richtungen. Der Täter stamme aus einer ganz normalen vierköpfigen Familie, erklärte Polizeichef Matti Tohkanen auf einer Pressekonferenz. Er habe keinerlei Probleme in der Schule gehabt. Er habe seit dem 19. Oktober eine Lizenz für eine Kleinkaliberpistole gehabt und sei zuvor nicht straffällig gewesen. Bei den Toten handelte es sich neben der Direktorin um sieben Schüler: fünf Buben und zwei Mädchen.

Geschlossen

Einer der Lehrer, Kim Kiuru, erklärte, die Direktorin habe alle Schüler kurz vor Mittag über Lautsprecher aufgefordert, in ihren Klassenzimmern zu bleiben. Er habe die Tür abgeschlossen und auf dem Gang auf weitere Anweisungen gewartet, sagte Kiuru dem Radiosender YLE. Dann habe er den Bewaffneten auf sich zurennen sehen. Er selbst sei daraufhin die Stiegen hinuntergelaufen und so entkommen. Dabei habe er die Leiche einer Frau liegen sehen. Von draußen habe er seine Schüler aufgefordert, aus den Fenstern zu springen. Nach Angaben von Behördensprecherin Heidi Hagman wird die Jokela-Schule von mehr als 400 Schülern im Alter zwischen zwölf und 18 Jahren besucht.

Die 17-jährige Schülerin Terhi Vayrynen berichtete, ihr 13-jähriger Bruder Henri und dessen Klassenkameraden hätten die Erschießung der Direktorin durch das Fenster des Klassenzimmers beobachtet. Anschließend sei der Schütze in die Klasse gekommen und habe gerufen: "Revolution. Zerschlagt alles." Als sich niemand gerührt habe, habe der Täter auf den Fernseher und die Fenster geschossen, aber nicht auf die Schüler. Dann sei er hinausgerannt, sagte Vayrynen.

Die Bluttat schockt Finnland, wo es bisher noch nie Berichte über eine Schießerei an einer Schule gab. Bei Gewalttaten kamen dort hauptsächlich Messer zum Einsatz; ein Todesopfer war noch nie zu beklagen. Regierungschef Matti Vanhanen sprach von einer "Tragödie". Das Jokela-Gymnasium bleibt am Donnerstag geschlossen.(APA)