Wien - "Was gibt es noch auf der Welt?", fragen die Organisatoren des 19. Internationalen Kinderfilmfestivals, das von 17. bis 25. November in Wien. Das vielfältige Programm bietet Kindern zwischen vier und 14 Jahren alsdann auch eine breite Palette an Deutungsmöglichkeiten dieser Frage: Von politisch-historischen Filmen wie Louis Malles Klassiker "Auf Wiedersehen, Kinder" (1987) über das Schicksal jüdischer Kinder unter deutscher Besatzung über den Puppentrickfilm "Desmond und das Sumpfmonster" (2006) bis hin zur Auseinandersetzung mit der Situation in Migrantenschulen ("Im Abseits", 2005) eröffnet sich den jungen Cineasten eine vielleicht fremde Welt.

Aber nicht nur das Publikum besteht aus Kindern, auch der Preis für den besten Film des Festivals sowie der UNICEF-Preis für jenen Streifen, der sich ganz besonders der Rechte von Kindern und Jugendlichen annimmt, wird von einer Kinderjury vergeben. Deren Mitglieder sind es auch, die auf der Website kinderfilmfestival.at eigene Filmkritiken verfassen. Als Schauplätze dienen neun Tage lang das Cinemagic, das Hollywood Megaplex SCN und das Votiv Kino. Die Preisverleihung findet am 25. November um 15 Uhr im Cinemagic statt. Doch zuvor sind insgesamt 14 Filme zu sehen, die sich nicht nur durch ihre Entstehungszeit und die jeweils typische Filmsprache, sondern auch in ihrer Machart und Themenvielfalt unterscheiden.

Während die Organisatoren - Franz Grafl, Martina Lassacher, Elisabeth Lichtkoppler und Michael Roth - auch Klassiker der Kinderfilmliteratur wie Ladislao Vajdas "Der Hund, der Herr Bozzi hieß" (1957), Lasse Hallströms "Mein Leben als Hund" (1985) oder Wolfram Paulus' "Die Ministranten" (1990) ausgesucht haben, stehen im offiziellen Wettbewerb nur aktuelle Filme. Die Botschaft dieser Streifen reicht von der Wahrung der Individualität über die Bedeutung von Freundschaft bis hin zu Eifersucht und der psychologischen Entwicklung eines heranwachsenden Burschen.

Aber auch die Theorie kommt nicht zu kurz, die den Kindern spielerisch vermittelt werden soll. An drei Tagen widmet man sich unter dem Titel "Große Kunst für kleine Augen" der Frage, wie Film denn eigentlich funktioniert. (21. 11., 9 Uhr im Votiv Kino, am 22.11., 15 Uhr im Cinemagic und am 23.11., 9 Uhr im Hollywood Megaplex SCN).

Einen theaterpädagogischen Workshop gibt es zu Arend Steenbergens Film "Im Abseits" im Anschluss an die Vorstellung am 24. November um 15 Uhr im Cinemagic: In Kooperation mit dem Dschungel Wien bietet das Festival Kindern die Möglichkeit, ihr Filmerlebnis in spielerisch-kreativer Form aufzuarbeiten. Der Film beschäftigt sich mit einem Sohn reicher Eltern, der von seiner Nobelschule fliegt und in die Welt einer Migrantenschule eintaucht, wo er plötzlich der Außenseiter ist.

Einen alt bekannten Stoff greift Janis Cimermanis in dem Puppenfilm "Die drei Musketiere" auf, eine kleine Kriminalgeschichte bietet Pieter Kuijpers "Der Gruselbus". "Hinter den Wolken" von Jorge Queiroga vermischt schließlich Fantasie und Wirklichkeit anhand der Suche nach den eigenen Wurzeln, ebenso Johanna Vuoksenmaa, die in "Onni von Sopanen" einen Burschen beobachtet, der sich plötzlich fragt, ob er das leibliche Kind seiner Eltern ist.

Ein großer Teil der Filme stammt aus dem skandinavischen Raum. Somit fügt sich das Kinderfestival, das in Kooperation mit den Schwedenwochen und dem "Lesofantenfest" stattfindet, in den Kinderschwerpunkt rund um Astrid Lindgrens 100. Geburtstag. (APA)