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Foto: EPA/Armando Babani
Wien - Was ist "schön"? Die Attraktivitätsforschung sagt dazu: Schönheit ist ein soziales Konstrukt, das auf durch die Evolution entstandenen Präferenzen aufbaut. Als attraktiv wird empfunden, was sich als Zeichen für Gesundheit und genetische Variabilität deuten lässt.

Einfache Mechanismen

"Bestimmte Eigenschaften werden im Gesicht als attraktiv wahrgenommen, die einerseits als Signal für Fitness gelten, andererseits die Konstruktion des menschlichen Wahrnehmungsapparates ausnutzen", erläuterte Elisabeth Oberzaucher vom Ludwig Boltzmann Institut. Demnach gilt zum Beispiel: Symmetrie beziehungsweise das Fehlen von Asymmetrie wird als schön wahrgenommen. "Für unser Gehirn ist es weniger aufwendig, symmetrische Reize zu verarbeiten als asymmetrische", erklärte Oberzaucher diesen Mechanismus.

Schöne Asymmetrien

Aber nicht jede Asymmetrie "stört": "Untersuchungen haben gezeigt, dass Menschen trotz unregelmäßiger Gesichtszüge als attraktiv gelten können. Umgekehrt wird nicht jedes symmetrische Gesicht automatisch als schön empfunden", so die Forscherin. Man unterscheidet dabei direktionale und fluktuierende Asymmetrie.

"Bei der direktionalen Asymmetrie ist eine Körperhälfte etwas kleiner als die andere. Sie beeinträchtigt die Attraktivität nicht und ist in jedem Menschen vorhanden. Fluktuierende Asymmetrien entstehen durch Störungen im Entwicklungsablauf. Hier treten Abweichungen von der perfekten Bilateralsymmetrie zufällig in beide Richtungen auf."

Entwicklungsstörungen oder Krankheiten

Beispiele seien eine schiefe Nase, völlig unterschiedliche Augenformen oder Ohren, die nicht auf gleicher Höhe sind. "Diese Art der Asymmetrie beeinträchtigt die Attraktivität", ist die Expertin überzeugt. Aus biologischer Sicht erfolge unbewusst die Deutung, dass solche Merkmale auf Entwicklungsstörungen oder Krankheiten zurückgehen.

Schöne Haut - gutes Immunsystem

Ein weiteres wichtiges Signal für Gesundheit und Fruchtbarkeit ist laut Oberhaucher eine ebenmäßige Haut. Ein Experiment mit einem 3D-Modell, auf das Hauttexturen von Frauen übertragen wurden, zeigte: Trotz der genormten Gesichtszüge konnten die Probanden das Alter allein aufgrund des Hautzustandes richtig einschätzen.

Gesichter mit einem ebenmäßigen Hautbild bekommen durch die Bank die besseren Noten - egal ob alt, jung, attraktiv oder unattraktiv. Denn "schöne" Haut deutet auf ein starkes Immunsystem hin. Sie signalisiert auch Fortpflanzungsfähigkeit: Am reinsten ist weibliche Haut zum Zeitpunkt des Eisprungs.

Kindchenschema und Reproduktionsfähigkeit

Ein Merkmal, das bei Frauen die Attraktivität erhöht, sei Jugendlichkeit - weil mit dem Alter die weibliche Reproduktionsfähigkeit erlischt. "Das bedeutet, dass Elemente des Kindchenschemas, wie große Augen, attraktiv wirken. Allerdings nur, wenn sie in Kombination mit Hormon-Markern auftreten, also Merkmalen, die unter der Einwirkung von Östrogen ausgebildet werden." Dazu zählen ein kleines Untergesicht und hohe Wangenknochen.

Körperfettverteilung und Hormonstatus

Beim Körperbau seien neben Symmetrie die "richtigen Proportionen" ausschlaggebend. Teilt man den Umfang der Taille durch den der Hüfte, wird ein niedriger Wert als attraktiv wahrgenommen. Ein Verhältnis um 0,7 signalisiere, dass eine Frau über die richtige Fettverteilung verfügt, die für Menstruationszyklen notwendig ist.

Bei einem Körperfettanteil von unter 20 Prozent nimmt der Anteil von fruchtbaren Zyklen rapide ab. Im Laufe der Menopause verändert sich die Fettverteilung, dass das sich Taille-Hüfte-Verhältnis dem Wert 1 annähert und die begehrenswerte Sanduhr-Form verloren geht.

Männliche Hormonmarker

Männer sind von der Beurteilung durch "Schönheitskriterien" aber nicht ausgenommen: "Männliche Attraktivität wird in erster Linie von Symmetrie und Hormon-Markern bestimmt", berichtete Oberzaucher. "Marker für Testosteron sind ein massives Unterkiefer, dicke Augenbrauenwülste und ein markantes Kinn." Die relevante Körperproportion sei das Schulter-Hüfte-Verhältnis.

Männerwahl nach Zyklus

Welchen Typ Frauen bevorzugen, hängt davon ab, in welchem Zyklusstadium sie sich befinden. "Da die maskulinen, Testosteronmarker tragenden Männer durch den hohen Testosteronspiegel auch eher zu Aggression neigen, wird dieser Typ Mann nur zum Zeitpunkt des Eisprunges als attraktiv wahrgenommen", weiß die Forscherin. In den nicht fruchtbaren Phasen "stinken" sehr männliche Männer den Frauen sprichwörtlich, da bevorzugen sie "eher femininere Typen, die eine höhere Alltagstauglichkeit aufweisen".

Gehirn erkennt Schönheit nicht

Für das Gehirn gibt es so etwas wie Schönheit laut neuen Forschungsergebnissen übrigens gar nicht: "Bei einem 'hässlichen' Gesicht aktiviert sich das Ekelzentrum im Gehirn", sagte Oberzaucher. "Bei einem schönen Gesicht tut sich gar nichts." Auf unser Leben habe das Konzept Schönheit aber großen Einfluss: "Schöne" Babys werden von ihren Müttern häufiger geherzt, hübsche Schulkinder besser benotet, attraktive Erwachsene bei Bewerbungsgesprächen bevorzugt und für ihre Arbeit besser bezahlt. (APA)