Berlin – Tausende Güterzüge bewegten sich ab Donnerstagmittag nicht mehr – und auch zwischen Bahn und der Gewerkschaft der Lokführer (GDL) standen die Weichen nicht auf Annäherung. "Die GDL legt Deutschland lahm, das ist eine ernsthafte Bedrohung", klagt Bahn-Personalvorstand Margret Suckale. "Es wird weder einer verhungern, noch wird einer erfrieren", kontert GDL-Chef Manfred Schell. Seine Taktik: Möglichst viele Güterzüge bleiben in den Depots und kommen gar nicht erst auf die Schiene. Die Bahn reagierte auch prompt auf den Streik im Güterverkehr – allerdings nicht so, wie es sich die GDL wünscht. Es gibt kein neues Angebot, die Lokführer werden aber dringend an den Verhandlungstisch gebeten, um über die schon vorliegenden Bahn-Vorstellungen zu reden: Bis zu zehn Prozent mehr Lohn, eine Einmalzahlung von 2.000 Euro, Sonderregelungen für bessere Ruhezeiten und mehr Aufstiegsmöglichkeiten. Die GDL lehnt mit den Worten "alter Wein in neuen Schläuchen" ab, fordert ein neues Angebot und droht mit unbefristeten Streiks im Güter-, Fern- und Nahverkehr in der kommenden Woche.

Neue Stufe

Mit dem 42-stündigen Streik im Güterverkehr, der erst am Samstag endet, hat die Auseinandersetzung nun eine neue Stufe erreicht. Bisher haben die Lokführer, die einen eigenen Tarifvertrag und Gehaltserhöhungen von 31 Prozent fordern, nur den Regional-und Nahverkehr bestreikt. Doch nach einem Gerichtsurteil darf der Ausstand jetzt auch den Fern- und Güterverkehr treffen. Das wird für die Bahn richtig teuer – was GDL-Vize Günther Kinscher gar nicht verhehlt. "Dort verdient die Bahn doch tatsächlich ihr Geld. Im Regionalverkehr haben die meisten Kunden Zeitkarten, und die Verbindungen sind längst von den Bundesländern bestellt und bezahlt worden." Die Bahn versucht einen Notbetrieb aufrecht zu halten und setzt möglichst viele beamtete Lokführer ein, die nicht streiken dürfen. (bau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.11.2007)