„Der Jelincic ist auch ein guter Kandidat, weil er gegen die Kleriker ist“, sagt der 69-jährige ehemalige Maschinenschlosser Johann Kogler. Leute, die den Kandidaten des konservativen Lagers, Lojze Peterle wählen würden, findet er hingegen „bled“, betont er mit steirischem Akzent. Denn heutzutage wisse man ja wirklich schon, dass es da oben im Himmel nur Sterne gebe und dazwischen vielleicht noch Wasserstoffmoleküle. Nach neuesten Forschungen, ergänzt er. „Also wofür fürs Jenseits wählen?“ Von einem Mauersims in dem Gässchen mit den Barockhäusern in der Altstadt von Maribor glänzt eine Marienstatue mit Strahlenkranz. Slowenien ist ein katholisches Land. Und es wirkt sehr ruhig. Solange nicht darüber diskutiert wird, dass der Kirche enteignete Grundstücke zurückgegeben wurden.

„Ich wähle Türk“, sagt auch der 21-jährige Mann, der mit seinen Freunden vor einem Caféhaus in der Sonne sitzt. „Weil er gegen die Kirche ist.“ Er versteht sein Votum auch als Protest gegen die Mitte-Rechts-Koalition unter dem Premier Janez Jansa, die angeblich die Kirche zu sehr unterstütze. Der junge Mann will aber weder seinen Namen sagen, noch ob er im ersten Durchgang dem Nationalistenführer Zmago Jelincic seine Stimme gegeben hat. Im Wahlkreis Maribor bekam der Populist beim ersten Durchgang 27,19 und in Ptuj sogar 28,13 Prozent der Stimmen. Doch zwei Wochen später bekennt sich kaum einer dazu.

Tito-Medaille

Pensionist Kogler wählt natürlich auch Türk, weil der sozial sei. Denn es gebe schon viele Arme. Und früher sei schon vieles besser gewesen. Stolz zieht er seinen Schlüsselanhänger aus der Tasche und lässt eine Tito-Medaille in der Sonne blinken. Lily hat schon beim ersten Wahldurchgang den UN-Diplomaten gewählt. „Weil er aus Maribor kommt“, sagt sie stolz. Und weil er etwas für die armen Leute tue. Sie selbst habe drei Jahre nach Arbeit gesucht und keine gefunden, jetzt ist sie bei einer Bank untergekommen. Während ganz Europa Slowenien als das Musterland unter den jüngsten EU-Mitgliedern preist, ist in Slowenien selbst das große Jammern angesagt.

„Wir hätten auch die Partei Känguru gewählt, wenn es sie gegeben hätte. Die Stimmen für Jelincic waren reine Proteststimmen“, sagt der Mann, der einen Kinderwagen durch die Fußgängerzone in Maribor schiebt. Und wogegen richtet sich der Protest? „In Maribor wurden wir schon zur Zeiten Jugoslawiens benachteiligt und jetzt wieder. Zumindest glauben wir das“, antwortet er. Überhaupt sei Jelincic gar nicht rechts. „Der war beim kommunistischen Geheimdienst. In Slowenien haben wir nicht einmal echte Nationalisten.“

Sabri hat noch nicht gehört, dass Jelincic zu den Roma abfällig Zigeuner sagt. Er hat überhaupt keine Ahnung, dass gewählt werden soll. „Was Türk? Ein Türke soll Präsident werden?“ Erst nach einer Viertelstunde rückt er damit heraus, dass er gar nicht wählen darf. Er ist ein Rom aus dem Kosovo, stolz zeigt er seine Aufenthaltsberechtigung.

„Was ist hier rechts, was ist links? Wir waren doch hier schon bei allen Parteien“, sagt der Politologe Vladimir Sruk. Er ist dafür endlich eine kommunistische Partei zu gründen. Denn zur Zeit Jugoslawiens seien die Kommunisten gar keine Kommunisten gewesen, sondern Staatskapitalisten. Aber natürlich wählt er am Sonntag Türk. (Adelheid Wölfl aus Maribor/DER STANDARD, Printausgabe, 9.11.2007)