Die EU sei für Österreich von "unschätzbarem Vorteil", sagte Gusenbauer in der Parlamentsdebatte. Auf der Leserbrief-Seite der "Krone" sieht man das anders: "Marionette von Brüssel", "Abschaffung unserer Neutralität und Souveränität","„Vereinnahmung unseres Landes durch diese Diktatur". Viele der Leserbriefschreiber sind alte Bekannte, aber etliche Bürger mögen sich die Frage stellen, warum unser EU-Beitritt ein "unschätzbarer Vorteil" ist.

Daher eine kleine Erinnerung: Als es noch den Ost-West-Gegensatz gab, konnten wir uns eine Eigenbrötler-Rolle leisten. Heute, da Europa dank der Aufnahme vieler exkommunistischer Staaten eine Stabilitätszone wurde, passt unsere Sonderrolle nicht mehr.

Vor allem aber hat uns der EU-Beitritt der ost- und mitteleuropäischen Staaten einen ungeheuren Boom für unsere Wirtschaft beschert, von der sehr wohl der "kleine Mann" auch etwas hat. Ohne die Gewinne aus den Reformstaaten wäre unser Wirtschaftswachstum nicht so gut. Aber Norwegen und die Schweiz leben doch auch recht gut ohne EU? Ja, mit riesigen Ölvorkommen einerseits und mit einem alten Reichtum andererseits. Wer das nicht hat, braucht den Markt der EU. (rau/DER STANDARD, Printausgabe, 9.11.2007)