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Thierry Henry, ein Franzose bei Barcelona, trägt ein sinnvolles Leiberl.

Foto: Getty/ Botterill
Der Fußball ist ein Geschäftszweig wie jeder andere, also sollte er auch wie jedes andere Geschäft seine sozialen Verantwortlichkeiten wahrnehmen. Für die Entwicklung des Fußballs sorgen zuallererst die Investoren, die das für die stetige Weiterentwicklung notwendige Kapital zur Verfügung stellen. Die International Football Arena, eine vom Schweizer Geschäftsmann und Spielermanager Marcel Schmid vor zehn Jahren gegründete Diskussionsplattform für Klubmanager, Fußballerprofis, Marketingexperten, Investoren, Sportartikelfirmen und Medien, durchleuchtete in einem Sitzungssaal der FIFA am Zürcher See die Branche wieder einmal von verschiedenen Seiten.

Mel Young, der Gründer des Homeless World Cup, verwies darauf, dass die Medien das Problem der Obdachlosigkeit zwar zu 99 Prozent "negativ darstellen. Die überraschend große Berichterstattung über unser jährliches Turnier ist aber zu 99 Prozent positiv."

Die vollständige Bewertungsumkehr eines Themas hängt auch damit zusammen, dass sich Klubs wie Chelsea oder FC Barcelona für wohltätige Projekte engagieren und ihre Imagekraft in den Dienst der Sache stellen. Natürlich profitiert auch Chelseas Image davon, wenn der Klub eine Krebshilfeorganisation für Kinder unterstützte, wie der Öffentlichkeitschef des Vereins, Simon Greenberg, sagte. "Aber unser Motiv ist nicht Hilfe für uns, sondern Öffentlichkeit für unsere Partner, so stellen sie ihr Budget auf."

Verzicht auf Millionen

Barcelona gehört seinen Mitgliedern, die alle fünf Jahre das Management neu wählen, und die hunderttausend Besitzer finden es offenbar gut, dass Ronaldinho und Kollegen das Logo der Unicef und nicht das eines Wettbüros auf der Brust tragen. Der Verein verzichtet damit auf 20 Millionen Euro an Sponsorgeldern. "Wir haben ein anderes Geschäftsmodell als Chelsea", sagt der für das Budget zuständige Vizepräsident Barcelonas, Ferran Soriano, "aber das Thema soziale Verantwortung ist wichtig. Wir sehen, dass unsere Geschäftspartner die Initiative aufnehmen und an Projekten der Unicef mitarbeiten."

Die Vereinsstruktur verhindert im Fall von Barcelona, aber auch in der deutschen Bundesliga, die Übernahme durch einen privaten Investor, wie das seit einigen Jahren in England gang und gäbe ist. "Wenn man lang genug im Geschäft ist, weiß man, dass es alles schon gegeben hat. Wir hatten Einzeleigentümer, dann gingen sie an die Börse, dann zogen sie sich wieder zurück, jetzt kommt wieder der private Eigentümer", sagt Peter Kenyon, der bis vor vier Jahren Manchester United führte. Seit der FC Chelsea vom russischen Oligarchen Roman Abramowitsch gekauft wurde, führt Kenyon den Verein für ihn und er hat Themen wie soziales Engagement, aber auch die Entwicklungshilfe für den armseligen chinesischen Fußball, auf die Agenda-Liste des Vereins gesetzt.

"Es wäre wünschenswert, wenn sich auch deutsche Klubs frei entscheiden könnten, ob sie einen kapitalstarken Partner hereinlassen oder nicht", sagte Klaus Fuchs, der Generalmanager des Vfl Wolfsburg. In Deutschland ist gesetzlich geregelt, dass ein Fußballverein an einer Kapitalgesellschaft 50 Prozent der Anteile plus einen besitzen muss. Nur Bayer Leverkusen (zu 100 Prozent Eigentum des Pharma-Konzerns) und eben Wolfsburg (90 Prozent Volkswagen) erhielten eine Ausnahmegenehmigung. Fuchs: "Bisher waren viele gegen eine Gesetzesänderung, nun scheint, auch bei Bayern München, eine differenziertere Meinung um sich zu greifen. Sie sehen, dass man in England mit den Investments verantwortungsbewusst umgeht."

Als vor einigen Jahren Leo Kirchs Medienimperium einstürzte, verloren die Bundesligaklubs praktisch von einem Tag auf den je ein bis zwei Millionen Euro im Jahr. Fuchs: "Ein Verein mit einem kapitalkräftigen Eigentümer tut sich in dieser Situation leichter."

Siege erwünscht

Es geht selbstverständlich um die Aufrechterhaltung der Wettbewerbsfähigkeit mit den Engländern, die beinahe des Dreifache der Deutschen an TV-Geldern lukrieren (420 zu 1200 Millionen € pro Jahr). David Dein, ehemaliger Vorsitzender von Arsenal: "Die Fans wollen, dass ihr Klub gewinnt, woher das Geld kommt, ist ihnen doch egal." Außerdem könne man nicht die besten ausländischen Fußballer ins Land holen, Firmen wie Jaguar (gehört dem US-Hersteller Ford) ausländischen Konzernen verkaufen und im Fall der Klubbesitzer eine xenophobe Haltung einnehmen.

Barcelonas Soriano: "Wir haben keinen strategischen Partner, aber wir können gewinnen. Wir haben andere Fragen, die wir angehen müssen. Wir alle, die wir hier sitzen, raufen um Kinder, die jünger sind als 16 Jahre. Oder wie willst du einen 16-Jährigen, der im Jahr eine Million Dollar macht, erziehen?" (Johann Skocek aus Zürich, DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 9.11.2007)