Wien – "Das ist dieses Jahr, von dem man reden wird. Das ist dieses Jahr, von dem man schweigen wird", sagte Bertolt Brecht einst zum Ereignis der "Reichspogromnacht" in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938.

Wider das Vergessen finden auch heuer die Mahnwache und Kundgebung am Aspangbahnhof, am Platz der Deportierten, statt, welche die "Initiative Aspangbahnhof" ins Leben gerufen hat. Von dort aus wurden in den Jahren 1939 bis 1942 zehntausende österreichische Juden deportiert und kehrten nicht mehr zurück, erinnern die Initiatoren. Auslöser der menschenverachtenden Hetze in jener Nacht war die Ermordung eines eher unbedeutenden deutschen Legationssekretärs durch einen jüdischen Jugendlichen in Paris.

Weg der Erinnerung

Bereits am Donnerstagabend trafen jüdische Jugendorganisationen, die Zeitzeuginnen Angelica Bäumer und Dagmar Ostermann und andere an der Ecke Zirkusgasse/Schmelzgasse, wo einst der Türkische Tempel und zahlreiche Sammelwohnungen waren, zusammen, um der Opfer zu gedenken.

Kommenden Sonntag beschreitet Elisabeth Ben David-Hindler mit Bezirkspolitikern den zweiten Teil des "Weges der Erinnerung durch die Leopoldstadt". Den Weg, beginnend in der Tempelgasse 2, markieren in den Boden eingelassene Messingsteine mit den eingravierten Namen vertriebener und ermordeter Wiener Juden. 350 Steine haben Angehörige und Wiener bereits gespendet. David-Hindler hat mit den "Steinen der Erinnerung" 2006 den Gedenk- und Nachdenkprozess eingeleitet, der in Wien-Josefstadt fortgesetzt werden soll. Bis November 2008 soll es dort 20 Stationen geben, vor denen sich die Menschen, wollen sie die Inschriften lesen, verbeugen müssen. (red, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9. November 2007)