Wien - Die österreichische Beteiligung am EU-Einsatz im zentralafrikanischen Tschad wird in der Bevölkerung zwar mehrheitlich abgelehnt, beim Bundesheer gibt es jedoch ein großes Interesse. Für die Mission haben sich 290 Freiwillige gemeldet. "Es gibt mehr als genug, die sich gemeldet haben", sagte Streitkräftekommandant, Generalleutnant Günter Höfler, im APA-Interview.

Jene 160 Soldaten, die entsendet werden, stehen auch schon fest, ebenso wie ihr Einsatzgebiet. Das Jagdkommando, das den Kern des österreichischen Kontingents bildet, wird in Iriba und Bahia, rund 200 Kilometer nordöstlich vom Hauptquartier in Abeche entfernt, operieren.

Start Ende November

Die ersten Flüge in die Region sind für den 26. und 29. November geplant. Das könne sich aber noch verschieben, so Höfler. Die oppositionelle Kritik, das Bundesheer sei für den Einsatz nicht gerüstet, wies Höfler entscheiden zurück. Die Soldaten seien für Auslandseinsätze speziell ausgebildet. Und auch die Geräte hielten jedem internationalen Vergleich stand. Die Fahrzeuge würde gerade wüstentauglich gemacht, sagte der Streitkräftekommandant.

Die Soldaten des Kernkontingents werden voraussichtlich vier Monate in Tschad bleiben, das hänge jedoch von der tatsächlichen Entwicklung ab. Zum Aufbau des Basislagers werden zusätzlich 50 Soldaten in den Tschad geschickt. Es sei aber noch unklar, ob es ein gemeinsames multinationales Camp geben werde oder ein eigenes österreichisches. Man sei jedenfalls für beide Eventualitäten gerüstet. Etwa 40 der insgesamt 160 Soldaten werden Spezialeinsatzkräfte sein.

Sie werden in Teams aus sechs Mann mit zwei Fahrzeugen und einem Versorgungsfahrzeug jeweils von Abeche, der zweitgrößten Stadt des Landes, in das Einsatzgebiet bei Iriba und Bahia fahren und die dortigen Flüchtlingslager sichern. Die Fahrtzeit beträgt aufgrund der schwierigen Bedingungen zwölf Stunden. Die Teams werden in einem Rhythmus von zwei bis drei Wochen abgelöst.

Extreme Umweltbedingungen

Dass Spezialeinsatzkräfte in das Land geschickt werden, begründet Höfler damit, dass dort extreme Umweltbedingungen herrschen und das Jagdkommando darauf trainiert sei. Bedenken, dass es sprachliche Schwierigkeiten geben könnte, wies er ebenfalls zurück. Alle Soldaten beherrschen Englisch, das die Operationssprache ist und für die Kommunikation mit der Bevölkerung gebe es Dolmetscher. Darüber hinaus spreche das Schlüsselpersonal Französisch.

Kein Verständnis hat der Generalleutnant auch für die Behauptung, dass es beim EU-Einsatz mit rund 3.500 Soldaten um eine französische Mission handle. Es seien mehrere europäische Länder beteiligt und der Kommandant sei ein Ire. Koordiniert wird die Mission von Brüssel aus. Die konkrete Einsatzvorberietung beim österreichischen Bundesheer beginnt ab nächster Woche. (APA)