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Nur ganz wenige werden von George W. Bush persönlich chauffiert. Im Bild: Nato-Chef Jaap de Hoop-Scheffer.

Foto: AP
Eigentlich ist alles ganz einfach. In Dallas auf die Autobahn, die Interstate 35, nach Süden bis Waco, dort fahre man rechts raus, nehme die 84 bis McGregor, danach die 317, bis man ein Schild sieht, von dem der Präsident und die First Lady breit lächeln. „Welcome to Crawford!“

Weiter geht es, vorbei an dem Gefängnis mit nur einer Zelle, vorbei an einem Souvenirshop, einer Windmühle bis schließlich die Hickey Broken Spoke Ranch auftaucht. Nein, das ist noch nicht die richtige, erst geht’s noch einen Hügel hinauf, und dann sieht man es – das Western White House, in dem Angela Merkel ab Freitagnacht zu Gast ist.

Es ist der Ort, an dem George W. Bush, sofern er nicht im anderen Weißen Haus weilt, mit der Kettensäge das Unterholz lichtet oder auf dem Mountainbike an seiner Fitness arbeitet. Crawford, das ist im Grunde nur ein kleines, staubiges Nest mit 700 Einwohnern, einer Tankstelle und einer Ampel – aber auch eine Art Ritterschlag. Wen „Dubya“, der Wahl-Texaner, auf seine Prairie Chapel Ranch einlädt, dem lässt er eine besondere Ehre zuteil werden.

"Die treuesten Knappen des Irakkrieges"

Einer der ersten Ausländer, der dort mit am Grill stehen durfte, war Wladimir Putin, der russische Präsident, in dessen Seele Bush damals tief zu schauen glaubte („Und mir gefiel, was ich sah“). Chinas Jiang Zemin und der saudische Kronprinz waren da, desgleichen die treuesten Knappen des Irakkrieges, Tony Blair und José Maria Aznar. Außerdem Vicente Fox, der Nachbar aus Mexiko. Der plauderte vor kurzem aus, dass Bush gar nicht der robuste Cowboy-Typ ist, der er gern zu sein vorgibt. Eher sei er ein „Windschutzscheiben-Cowboy“, der lieber im Jeep fährt, als zu reiten.

Mit der Kanzlerin wollte Bush intensive Gespräche führen, die der Zeitdruck eines prallen Programms in den Hauptstädten dieser Welt kaum noch zulässt. Das Thema: Der Atomstreit mit Iran.

Zusehends härter in seiner Wortwahl, drängt er auf schärfere Sanktionen gegen Teheran: „Hoffentlich können wir den Druck auf die Iraner aufrechterhalten, um zu sagen, eure Regierung trifft Entscheidungen, die euer Land isolieren.“ Alles, was die iranische Regierung tun müsse, sei, die Urananreicherung zu stoppen. Nicht nur Bush, auch Demokraten wie Hillary Clinton wollen eine bewaffnete Aktion nicht ausschließen. Die militärische Option, betont der Präsident, liege als letztes Mittel auf dem Tisch. Im Übrigen sei er „ernsthaft“ gewesen, als er vor drei Wochen erklärte, wer einen Dritten Weltkrieg verhindern wolle, der möge Iran am Bau der Atombombe hindern. (DER STANDARD, Printausgabe, 10./11.11.2007)