Leo Perutz war 41 Jahre alt, arbeitete als Versicherungsmathematiker, war bereits eine literarische Größe in Wien und einer der Fixsterne der Kaffeehaus-Literatenszenerie, als 1923 sein siebenter Roman, Der Meister des Jüngsten Tages, erschien. Das Werk stieß auf größten Anklang. Es handelt sich um eine magische und für den Autor charakteristisch vielschichtig gebaute Geschichte, die, je nach dem Erzählstrang, dem man Glauben zu schenken geneigt ist, unterschiedlich gedeutet werden kann.

Es geht um Mord. Es geht natürlich um die Suche nach dem Mörder und um "die Verfolgung eines unsichtbaren Feindes, der nicht von Fleisch und Blut war, sondern ein fruchtbarer Revenant aus vergangenen Jahrhunderten". Das klingt doch verheißungsvoll - mehr soll an dieser Stelle auch nicht verraten werden, denn Perutz' Detektivgeschichte kann man sich seit kurzem von Peter Simonischek vorlesen lassen. Wobei der Begriff "vorlesen" dem Vortragenden nicht gerecht wird, denn wenn der beeindruckende Simonischek Perutz liest, dann reißt er seine Zuhörer mit in die Ab-gründe und Tiefen der Detektivgeschichte. Perutz wurde 1982 in Prag geboren, emigrierte 1938 nach Palästina, und seine große Popularität war nach der NS-Zeit so gut wie ausradiert.

Erst seit wenigen Jahren werden seine Arbeiten wieder entsprechend gewürdigt. Er selbst hatte das vorausgesehen. Nun, so schrieb er, sei er so gut wie nicht mehr vorhanden im öffentlichen Bewusstsein. Doch: "Um so siche-rer ist meine Auferstehung in 40 Jahren, wenn mich irgendein Literaturhistoriker wiederentdeckt und ein großes Geschrei darüber erhebt, dass meine Romane zu Unrecht vergessen sind." (uwo, ALBUM/DER STANDARD/Printausgabe, 10./11.11.2007)