Linz - Das European Health Forum Gastein, die wichtigste gesundheitspolitische Fachveranstaltung der Europäischen Union, attestierte dem österreichischen Gesundheitswesen eine "hohe Qualität". Dem aktuellen Euro Health Consumer Index zufolge ist das hiesige System sogar das konsumentenfreundlichste unter 29 europäischen.

Doch kein Ja ohne Aber: Beide Studien kommen auch zu dem Schluss, dass die Effizienz zu wünschen übriglasse. Vor allem die schlechte Vernetzung zwischen Spital (intramural) und Hausarzt (extramural) sei ein Problem. Um die "Doppelgleisigkeiten in Planung und Steuerung des österreichischen Gesundheitswesen endlich aufzulösen", meinte die damalige ÖVP-Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat, müssen in den Bundesländern Gesundheitsplattformen eingerichtet werden. In ihnen sollen alle Verantwortlichen gemeinsam Organisation und Finanzierung für die Krankenhäuser und den niedergelassenen Bereich übernehmen.

Plattform

Das klang vielversprechend für Oskar Schweninger, Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte der Ärztekammer Oberösterreich. Am 9. März 2006 konstituierte sich in Oberösterreich besagte Gesundheitsplattfrom. Ihr gehören 28 Mitglieder an, doch nur die Hälfte von ihnen ist auch stimmberechtigt: die sieben Landespolitiker und die sieben Sozialversicherungsträger. Mediziner, Patientenvertreter oder Pflegedirektoren erhielten nur beratende Funktion in dem Gremium.

Mit dieser Besetzung war für das beratende Mitglied Schweninger klar: Die Strukturreform "wird eine politische Kopfgeburt, ob die im Echtbetrieb funktioniert, interessiert nicht", macht der praktische Arzt aus Wels seinem Frust nach eineinhalb Jahren in der Plattform Luft. Zu viele Mitglieder, zu wenig Gehör für die Praktiker und zu spärliche Informationen, lauten seine Hauptkritikpunkte.

Ein Resümee, dem sich die Vorsitzende, SPÖ-Landesrätin Silvia Stöger, keineswegs anschließen kann. "Es ist der richtige Weg, die Zusammenarbeit funktioniert." Die Mediziner seien sehr wohl in Projekte mit einbezogen. Zum Beispiel, als es um die "flächendeckende Diabetesvorsorge" oder um die "integrierte Versorgung bei Schlaganfall" ging, zählt sie auf. Abgesegnet wurden diese Vorhaben allerdings nur mit den Stimmen der Politiker und Sozialversicherungsträger.

Differenzierter

Etwas differenzierter betrachtet Grünen-Gesundheitssprecherin Ulrike Schwarz die ersten eineinhalb Arbeitsjahre. Die Landtagsabgeordnete hat eine Stimme in der Plattform und sitzt in den Regionalkonferenzen. "Für manchen niedergelassenen Arzt mag das enttäuschend sein", gibt sie unumwunden zu. Es fehlen Zahlen, oder sie seien falsch. So lasse sich nur schwer das eingeforderte Nahtstellenmanagement zwischen Krankenhaus und Ordination entwickeln.

Allerdings habe es durch die Plattform auch eine wesentliche Verbesserung gegeben, betont Schwarz: die Transparenz. So müsse das Land als Krankenanstaltenerhalter die Entwicklungspläne samt Anschaffung von Großgeräten für Spitäler erstmals offenlegen. Den Sanktus der Plattform benötigt es jedoch dafür nicht. Denn, so wurde bundesweit einheitlich festgelegt, für den intramuralen Bereich - in Oberösterreich mit einem Jahresbudget von 1,6 Milliarden Euro - besitzen nur die Vertreter der Landespolitik ein Stimmrecht; für den extramuralen - mit einem Leistungsvolumen der Kassen von rund 1,3 Milliarden Euro - einzig die Sozialversicherungsträger. Den Eindruck, den Schweninger gewonnen hat, dass die Plattformen wenig gemeinschaftlich an einer Reform doktern, diagnostiziert die Grüne eher als "Kinderkrankheit": Eine Veränderung der Struktur sei angedacht. (Kerstin Scheller, DER STANDARD, Printausgabe 10./11.11.2007)