Die Landeskrankenhäuser von Oberwart und Hartberg verschmelzen nur in der Montage: Tatsächlich verhindern Landesgrenzen und regionale Interessen wichtige Strukturreformen.

Foto: Krages, Fotostudio Pachernegg. Montage: Beigelbeck
Jedes Bundesland hat seine eigene kleine Spitalswelt. Oft liegen die Spitäler benachbarter Bundesländer eng nebeneinander. Diese Parallelstrukturen sind teuer, aber niemand wagt radikale Einschnitte. Auch weil Landeskrankenhäuser wichtige Arbeitgeber sind.

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Graz/Hartberg/Oberwart - Es sind vielleicht 20 Minuten. Mit dem Blaulicht auf dem Dach geht's natürlich um einiges schneller.

Innerhalb dieser knappen Zeitdistanz bieten zwei voll ausgestattete Landeskrankenhäuser (LKH) ihre medizinischen Versorgungsdienste an. Eines steht im steirischen Hartberg, das Nachbarspital wenige Kilometer entfernt in Oberwart im Burgenland.

Einer betriebswirtschaftlichen, Millionen Euro sparenden Logik folgend müsste eines der beiden Spitäler die Leistungen zurückfahren. Realpolitisch ist eine "Redimensionierung" eines der beiden Krankenhäuser aber nicht denkbar. Zwei Länder, zwei Welten. "Wir würden auf die Barrikaden steigen", warnt der Hartberger ÖVP-Bürgermeister Karl Pack.

Rütteln

Auch sein SPÖ-Kollege in Oberwart, Ortschef Gerhard Pongracz, kann sich viel vorstellen, nur nicht, dass an "seinem" Krankenhaus gerüttelt wird. Pongracz spricht den Kern der Sache an: Es geht nicht nur um eine optimale medizinische Allgemeinversorgung oder darum, dass burgenländische Mütter ihre Kinder lieber im Burgenland und steirische eben in der Steiermark zur Welt bringen wollen; es geht schlicht und einfach auch um den lukrativen "Frequenzbringer Spital".

Jedes einzelne LKH stellt einen unverzichtbaren lokalen Wirtschaftsfaktor mit hoher Beschäftigungsdichte dar. "Unser Krankenhaus ist ein wichtiger Arbeitgeber", sagt der Hartberger Bürgermeister Pack. Rund 400 Arbeitnehmer seien hier tätig, etliche Klein- und Mittelbetriebe lebten praktisch in Symbiose mit dem Spital.

Viele Besucher

Das benachbarte Oberwart verfügt als Schwerpunktkrankenhaus über rund 1000 Betten. Das bedeute "auch viele Besucher und Gäste", sagt der Bürgermeister der 7000-Einwohner-Stadt Oberwart, Pongracz. Direkt im LKH-Gelände haben sich einige Kleinbetriebe angesiedelt.

Ein Abspecken des Spitals sei nicht machbar, sagt Pongracz, Kooperationen mit Hartberg durchaus sinnvoll. Letztlich sei über die Landesgrenzen hinweg aber alles "sehr schwierig", sagt der Geschäftsführer der Burgenländischen Krankenanstalten GmbH, Hannes Frech. Es existieren neun Baugesetze, neun Wohnbaufördergesetze, warum soll es, fragt Frech, "ausgerechnet im Gesundheitswesen besser sein?"

Dennoch: Dass der Status quo nicht aufrechterhalten werden kann, ist allen Beteiligten klar.

Um aus den teuren Parallelstrukturen (zwei Chirurgien, zwei Urologien etc.) im grenznahen Bereichen herauszukommen, versuchen die Gesundheitslandesräte aus dem Burgenland, der Steiermark und auch Kärnten seit kurzem in regelmäßigen "Zonenkonferenzen" Parallelstrukturen aufzulösen.

Überschneidungen

Es geht ja nicht nur um Hartberg oder Oberwart. Auch die steirischen LKHs in Feldbach und Fürstenfeld stehen in enger Nachbarschaft mit den grenznahen burgenländischen Krankenhäusern Oberwart oder Güssing. Ähnliche grenzüberschreitende Überschneidungen finden sich in allen Bundesländern.

"Es geht nur schrittweise", sagt Harald Gaugg, steirischer Spitalsverhandler im Zonenkonferenzteam und langjähriger Gesundheitsexperte. Einsparungspotenzial sei natürlich auf beiden Seiten vorhanden, dieser betreffe aber in erster Linie Arbeitsplätze. Denn im Spitalsbereich fielen 60 bis 70 Prozent der Kosten auf Personalausgaben. Hier könne nicht gespart werden.

Kosten drosseln

Es sei daher notwendig, die jährlichen Kostensteigerungsraten von vier Prozent über Strukturänderungen zu drosseln. Das bedeute, dass die LKHs sich zum Teil in Spezialkliniken wandeln müssten.

Nicht jede Klinik muss etwa eine Gefäßchirurgie auf höchstem Niveau anbieten, kann sich aber - wie das Spital in Mariazell - etwa auf Wundbehandlung spezialisieren. Feldbach und Fürstenfeld "teilen" sich bereits die Chirurgie in "Tageschirurgie" und "Große Chirurgie". "Es ist ein Anfang", sagt Gaugg. (Walter Müller, DER STANDARD, Printausgabe 10./11.11.2007)