"Mama, was is'n das?"

"Frag den Papa, der kennt sich mit Autos aus." "Papa, was ist denn das für ein komisches Auto?" "Das ist nicht komisch. Das ist ein Gräf & Stift 40/45 HP von 1913. Mit dem war Karl I., Kaiser seit 1916, zu Inspektionen an der Südfront im 1. Weltkrieg unterwegs. Deshalb war das auch der letzte habsburgische Kaiserwagen."

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Nicht,

dass Papa Experte in Automobilgeschichte war, er schummelte nur besser als Mama und las den Text von der Hinweistafel neben dem Auto ab. Und, ja: Die Ausstellung "Chromjuwelen" lockt bereits in den ersten Tagen enorm viele Besucher, viele Familien an.

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Das ist nur gerecht.

Denn was die Ausstellungsmacher - aus dem wissenschaftlichen Beirat sei etwa der Doyen der heimischen Autoberichterstattung, Herbert Völker, genannt - unter Matronanz von Museumschefin Gabriele Zuna-Kratky hier Hochkarätiges aus der Historie des Automobils zusammentrugen, ist beinahe schon sensationell.

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Gegliedert

ist die Schau in drei Themenbereiche: Rennsport, Design sowie Staatskarossen/Promifahrzeuge.

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Manches stammt

wie besagter Kaiserwagen noch aus jener Pionierära, als Wilhelm II., Amtskollege Karls I., weil Kaiser des Deutschen Reiches, höchstderoselbst zu Protokoll zu geben geruhte, diese Erfindung sei zwar nett, sie werde sich aber nie gegen das Pferd durchsetzen ("Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist nur eine vorübergehende Erscheinung."). Na ja, angesichts der Umweltdebatte: Womöglich behält Willi Zwo in der Langzeitperspektive doch noch Recht.

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Unmöglich,

auch nur die wichtigsten der gezeigten 37 Fahrzeuge und ihre Geschichte(n) hier zu erzählen, schaun Sie sich das am besten selbst an - und nehmen Sie sich Zeit, es lohnt sich. Kursorischer Rundgang: Wir begegnen hier etwa jenem deutschen Automobil (Mercedes 230, 1978), mit dem der grantige Poet Thomas Bernhard zum Heldenplatz und anderswohin fuhr.

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Wir begegnen

ferner jenem Ferrari 250 GT Berlinetta Lusso (1962), dessen 12 Zylinder Herbert von Karajan so zärtlich liebevoll dirigierte (bevor er zu Porsche fremdging).

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Es stehen ferner,

Seite an Seite, zwei der schönsten Autos aller Zeiten: Alfa 8C 2900 B Lungo ...

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... neben Bugatti

Type 57 SC Atlantic Coupé. Wir sahen Besucher mit Tränen in den Augen. Oder ein Jaguar E-Type, 1963. Langweilig, sagen Sie, sieht man im Dutzend bei jeder Oldtimerfahrt? Diesen nicht: Er gehörte Österreichs Formel-1-Popstar Jochen Rindt. Eine Konstellation, für die der Kalauer von Sportreporter Helmut Zwickl "Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Es ist der Jaguar mit Jochen Rindt!" überliefert ist.

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Ältestes

"Chromjuwel", das ein privater Leihgeber zur Verfügung stellte, ist ein "Austro-Daimler 28/32 HP Coupé-Chauffeur" (1908). 4,5-Liter-4-Zylinder, flotte 35 PS. Mitkonstruiert von einem gewissen Ferdinand Porsche, dem soeben neu engagierten Cheftechniker der Marke.

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Benutzt

wurde der Wagen von Erzherzog Leopold Salvator, Artillerie-Generalinspekteur der k. u. k. Armee. Womit sich der Kreis zu "Papa, was ist das für ein komisches Auto?" schließt.

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Fazit?

Habent sua fata libelli: Nicht nur Bücher haben ihre Schicksale, auch Autos, wie diese Schau exemplarisch herausgearbeitet hat. Insofern könnte ihr Motto auch heißen: "Habent sua fata automobiles". (Andreas Stockinger, AUTOMOBIL, 9.11.2007)

Link
Technisches Museum Wien
Die Sonderausstellung Chromjuwelen läuft bis 2. März 2008.

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