Im Jänner bei Tunis aufgeriebenen Terrorgruppen wollten nach Angaben des tunesischen Präsidenten Zine el-Abidine Ben Ali die Botschaften der USA und Großbritanniens angreifen. Die Salafisten hätten sich dazu Pläne aus dem Internet über Google Earth besorgt, erklärte Ben Ali dem Pariser "Figaro Magazine" (Samstag). Zu Jahresbeginn hatte es mysteriöse Gefechte bei Tunis gegeben. Die Regierung hatte zunächst nur von zwölf getöteten und 15 verhafteten "Kriminellen" gesprochen. Inoffiziell war von 25 Toten die Rede gewesen.

"Wir brauchen eine Erneuerung des islamischen Geistes, einen offenen Islam"

"Wir brauchen eine Erneuerung des islamischen Geistes, einen offenen Islam", sagte Ben Ali, der am 7. November vor 20 Jahren an die Macht gekommen war. Er bekämpfe den Islamismus "an der Quelle" mit dem Ausbau des Schulsystems, der Förderung der Frauen und der Wirtschaft. 59 Prozent der Studenten und 10 000 Firmenchefs seien Frauen, sagte Ben Ali. Kritik am Demokratiemangel begegnete er mit den Worten, er habe die Parteienvielfalt gefördert. "Wir hätten uns eine dynamischere und konstruktivere Opposition gewünscht", sagte Ben Ali. "Wandel heißt aber nicht: "Zieh Leine und mache Platz für mich." Opposition heißt vor allem, Programme und glaubwürdige Alternativen zu erarbeiten." (APA/dpa)