Das Verhältnis zwischen profil und der "Kronen Zeitung" war über die Jahre durch erhebliche Spannungen und fallweise offene Gegnerschaft gekennzeichnet. Aber das dürfte Gott sei Dank vorbei sein, seit "profil" letzte Woche mit der Verbeugung vor dem Chef des Kleinformats seine Fellnerisierung zu einem dauerhaften Abschluß brachte. Spät, aber doch entlarvte das Magazin, das einst für seine Enthüllungen gefürchtet war, Hans Dichand als eine durchaus vielschichtige Persönlichkeit , ja sogar als einen Vertreter der österreichischen Kriegsgeneration , das aber eher einschichtig.

Als solcher, vielleicht auch von Literat zu Literat, hat sich Dichand an einen Vertreter der amerikanischen Kriegsgeneration um Hilfe unter Kameraden gewandt. Vor drei Jahren kontaktierte Dichand den zweifachen Pulitzer-Preisträger mit der Bitte, seinem "Elisabeth"-Drehbuch den letzten Schliff zu verleihen. Seither schleift und schleift Norman Mailer - Wolf Martin wäre längst damit fertig, aber der hat leider Wichtigeres zu tun. Die Schleiferei kam "profil" zu Ohren. Den Mann, der "Die Nackten und die Toten" schrieb und den, der mit ihnen Geschäfte macht, über den Krieg am Balkan, über Hitler, Stalin und einiges andere diskutieren zu lassen erschien uns als spannende Idee.

Talk auch in der Zeitung ist modern, man läßt andere für sich arbeiten. Nicht selten würde man das Resultat lieber wegwerfen als veröffentlichen, wenn es sich als nicht so spannend erweist wie die Idee dazu. Das ist natürlich nicht gut möglich, wenn man unter der Vorspiegelung, Dichand für sich arbeiten zu lassen, für Dichand arbeitet. Leider. Denn unspannender als die vom österreichischen Kriegsveteranen gezogenen Vergleiche zwischen Hitler und Milosevic - Beide Seiten kämpfen in einem Krieg stets im Glauben der edlen Absicht - kann nur noch der Sisi-Streifen werden, der als Anlaß und Vorwand für diese Betrachtungen herhalten mußte.

Das Unerwartete, Überraschende hat mich immer gereizt, beteuert Dichand nicht auf die Frage, wie er auf das Thema Sisi, sondern wie er auf die Idee kam, Mailer zur Mitarbeit einzuladen. Der hat sich sogar an Jesus gewagt, vor allem aber ist er ein Mann, der sich in der Welt des Films auskennt und mir in Hollywood Kontakte vermitteln kann. "profil": Wie müssen wir uns Ihre Sisi vorstellen? Ganz anders, als sie bis jetzt dargestellt wurde. Da wird der Leser doch kurz neugierig. Ich sehe sie als unglückliche Frau und Pazifistin in einer kriegerischen Familie. Instinktiv spürte sie, daß es mit der Monarchie zu Ende gehen wird. Immer wieder floh sie aus dem erstarrten Wiener Hof in ihre Traumwelt.

Bei soviel Überraschendem weiß Norman Mailer nur: Über Sisi bin ich mir nicht im klaren. Nach drei Jahren des Schleifens am Drehbuch stimmt eine solche Aussage nicht hoffnungsfroh. Aber auf welchen genius loci sich Mitarbeiter Dichands einstellen müssen, hat er so gut begriffen, als wäre er seit Jahrzehnten "Krone"-Redakteur: Als Produzent, Hans, bist du da natürlich besser dran. Aber als gedungener Drehbuchautor ist man nichts als ein Cowboy in einem Hurenhaus.

Seit vielen Jahren darf in keinem Interview mit Dichand fehlen, was ihm das Teuerste ist. Daher läßt es auch "profil" nicht aus. Norman Mailer gratuliert Hans Dichand zu den Frauen auf der Seite fünf der "Kronen Zeitung": "Die sehen wirklich gut aus." Darauf folgt unweigerlich: Dichand erklärt, daß er sie oft höchstpersönlich auswählt: "Ich habe etwas gegen diese sterilen Schönheiten, ich bevorzuge eher die natürlichen Frauen." Und erst diese natürlichen Texte! Ibiza ist Tracey Elviks Wahlheimat: Die rassige Britin verbringt jede freie Minute auf der spanischen Insel und trägt besonders gern die Mantilla aus schwarzer Spitze - für unseren Fotographen sogar zum Tanga. Verführerisch, aber gegen jede Tradition ... Warum gibt es hier keinen Pulitzer-Preis?

Und dann natürlich noch diese schwere, aber bravourös gemeisterte Entscheidung zwischen Macht und Hund - auch diesmal brav apportiert von "profil": Herr Dichand, Sie haben einmal gesagt: "Ehe ich Macht ausübe, gehe ich lieber nach Hause und streichle meinen Hund." Glauben Sie ihm das, Herr Mailer?

Da wittert der Veteran eine Kriegslist und flüchtet in Metaphysik. Jeder Mensch hat zwei Seelen in seiner Brust. Es kommt nur darauf an, in welchem Dialog sie zueinander stehen. Und als Dichand drängt: Macht hat mich noch nie interessiert, ich will nur meiner mächtig sein - Mailer bleibt skeptisch: Ich glaube ihm mit halbem Herzen.

Immerhin. (Günter Traxler, DER STANDARD, Printausgabe, 30.4.1999)