Frankfurt/Main - Mit einer Streikdrohung hat die deutsche Bahn-Gewerkschaft Transnet auf das neue Konzept zur Bahnprivatisierung reagiert. Man wolle notfalls alles tun, um den Beschäftigungssicherungs-Tarifvertrag zu erhalten, hieß es von Transnet. Die Gewerkschaft werde zum Streik aufrufen, falls die Bundesregierung ihr neues Privatisierungsmodell ohne Rücksicht auf die Beschäftigten vorantreibe.

Ein Scheitern der Bahn-Privatisierung hätte laut "Spiegel" auch personelle Konsequenzen: Für diesen Fall hätten Vorstandschef Mehdorn und Teile des Aufsichtsrats bereits über ihren Rücktritt nachgedacht, schrieb das Nachrichtenmagazin. Aufsichtsratschef Müller habe bereits einen Nachfolger gesucht und gefunden. Der Name sei bislang noch geheim.

Unterdessen ringen Bahn-Management und führende Politiker um einen Ausweg aus der Misere: Mit einem neuen Modell soll privaten Investoren doch noch der Einstieg bei der Bahn ermöglicht werden. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge soll der Konzern faktisch, aber nicht formal, in ein Infrastruktur- und ein Verkehrsunternehmen zerschlagen werden. Die Infrastrukturholding bliebe - wie von der SPD gefordert - beim Bund. In der zweiten Holding würden die Sparten Fern-, Nah- und Güterverkehr sowie Logistik zusammengefasst. Diese Holding würde dann zum Teil privatisiert. Zwar verlangt das Modell nach Einschätzung vieler Politiker allen interessierten Seiten viel ab. Es gilt aber als der letzte Versuch.

Die Bahn-Gewerkschaft Transnet kündigte massiven Widerstand an. "Wenn die Politik ihr Tempo beibehält, dann ist damit zu rechnen, dass dieses Jahr noch etwas geschieht", sagte Vorstand Zimmermann der "Süddeutschen Zeitung". (APA)