Knapp vier Jahre nach seiner Gründung wird der russische Stabilitätsfonds aufgespalten. Ein Teil des Gelds wird risikoreicher in Europa veranlagt, ein Teil fließt in die Finanzierung staatlicher Großprojekte.

Um die Wirtschaft vor der durch hohe Rohstoffpreise hereingespülten Geldmasse zu schützen und einen Polster für Krisenzeiten bzw. die nächsten Generationen zu schaffen, hat Russland 2004 einen so genannten Stabilitätsfonds eingerichtet.

147 Milliarden Dollar im Fonds

Ein bedeutender Teil des Geldes wurde zur Bedienung der Auslandsschulden aufgewendet. Trotzdem haben sich seither 147 Milliarden Dollar (100 Mrd. Euro) im Fonds angehäuft. Weil damit die Grenze von zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) überschritten ist, wird er nun in einen Reservefonds und einen "Fonds der nächsten Generationen" aufgeteilt und nach neuen Regeln verwaltet.

Präsident Wladimir Putin hat dieser Tage das entsprechende Gesetz dazu unterzeichnet. Dieses sieht vor, dass der "Fonds der nächsten Generationen" 60 Prozent seiner 19 Mrd. Dollar nun risikoreicher auch in ausländische Aktien und Investmentfonds anlegen darf - Russland denkt vorwiegend an Rohstoff- und Energiekonzerne. Bisher - und zwar seit Juli 2006 - durfte der Stabilitätsfonds nur konservativ in "besonders zuverlässige Schuldverschreibungen ausländischer Staaten" investiert werden. Für den nachmaligen Reservefonds bleibt diese Vorschrift auch weiterhin aufrecht.

Nervosität in Europa

In Europa haben schon im Vorfeld der Gesetzesunterzeichnung die Alarmglocken geläutet. Nach Deutschland plant jetzt auch Österreich Maßnahmen zum Schutz strategisch wichtiger Betriebe vor der Übernahme durch Staatsfonds aus China, Russland oder arabischen Staaten. Russlands Stabilitätsfonds ist bei weitem nicht der größte. An der Spitze der Liste befindet sich laut Agentur Bloomberg der Fonds der Vereinigten Arabischen Emirate mit knapp 900 Mrd. Dollar. Den zweiten Platz mit etwa 300 Mrd. Dollar teilen sich Saudi-Arabien, Singapur, Norwegen und China. In einer kleineren Liga unter 100 Mrd. Dollar spielen der Australian Future Fund, Qatar Investment Authority, der Alaska Permanent Fund bzw. Brunei Investment Agency.

Russlands Führung will 40 Prozent ihres Zukunftsfonds im Inland belassen und für Großprojekte wie die Nanotechnologie, das Kommunalwesen oder Investitionsprojekte, die von der "Bank für Entwicklung und außenwirtschaftliche Tätigkeit" betreut werden, aufwenden.

Russische Ökonomen kritisieren jedoch, dass die Geldentnahme aus dem Fonds die ohnehin wieder angeheizte Inflation weiter antreiben dürfte. Damit dies nicht geschieht, sollten die Gelder für den angesichts der demografischen Situation dringenden Umbau des Pensionssystems vorbehalten bleiben. (Eduard Steiner aus Moskau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.11.2007)