Laibach - Der geschlagene Kandidat Lojze Peterle gab der unpopulären Mitte-Rechts-Regierung von Premier Janez Jansa die Schuld an seiner Niederlage. "Ich bin in einem herausfordernden politisch-wirtschaftlichen Umfeld angetreten, das mir nicht gewogen war", sagte Peterle in einer ersten Reaktion. Er wies darauf hin, dass er "einige Zeit lang" als Favorit gegolten habe, seine Umfragewerte seien aber dann gesunken, weil man ihn auf die Regierungsseite gestellt habe.

"Keine persönliche Niederlage"

"Ich glaube, dass das ein Votum gegen die Regierung ist", kommentierte Peterle den Sieg seines Kontrahenten. Die Koalitionsparteien müssten intensiv über den Wahlausgang nachdenken, den er nicht als persönliche Niederlage auffasse, betonte Peterle. "Unter den gegebenen Umständen ist mehr Resultat gar nicht so schlecht". Türk habe es viel leichter gehabt, weil ihn die Opposition unterstützt habe und es in Slowenien eben "viel Unzufriedenheit" mit der Regierungspolitik und Wirtschaftslage gebe.

Türk: "Wunsch nach Neuem"

Wahlsieger Danilo Türk wollte seinen Erdrutschsieg nicht in diesem Sinne deuten. Bei Präsidentenwahlen stehe "das Ganze" im Vordergrund. "Viele Menschen wollten etwas Neues. Der Wunsch nach etwas Neuem war sehr stark", sagte Türk unter dem Jubel seiner Anhänger. Hinter ihm standen die sichtlich zufriedenen Chefs der linksgerichteten Oppositionsparteien, Borut Pahor (Sozialdemokraten), Gregor Golobic (Zares) und Katarina Kresal (Liberaldemokraten).

In Vertretung des auf einem China-Besuch weilenden Ministerpräsidenten Janez Jansa sagte dessen enger Vertrauter, Schulminister Milan Zver, der Ausgang der Präsidentenwahl werde keine Auswirkungen auf die kommendes Jahr stattfindenden Parlamentswahlen haben. Wenn dies so wäre, "hätten sich auch die (von der Mitte-Rechts-Koalition gewonnenen, Anm.) vorigen Parlamentswahlen positiv auswirken müssen", sagte Zver. Bis zur Parlamentswahl "werden noch viele Dinge passieren".

Pahor: "Botschaft"

Oppositionsführer Pahor deutete den Sieg Türks als "Botschaft, dass sich die Menschen Veränderungen wünschen". Für seine in den Umfragen seit Monaten beständig führenden Sozialdemokraten bedeute dies auch eine Verantwortung, "dass wir diese Erwartungen erfüllen", rechnet Pahor mit einem Sieg bei der Parlamentswahl im kommenden Jahr.

Kucan: "sehr froh"

Der frühere Präsident Milan Kucan (1992-2002) sagte, er sei "sehr froh", dass Türk gewonnen habe, weil er der Präsident sei, den Slowenien brauche. Türk habe internationale Erfahrungen, sei liberal und habe auch eine ausgeprägte soziale Ader. "Er kann auch Andersdenkenden zuhören", sagte der Ex-Präsident. Der scheidende Präsident Janez Drnovsek, der sich in den vergangenen Monaten aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte, äußerte sich bisher nicht.

Jelincic: "Nicht für Türk, sondern gegen Peterle"

"Es wurde nicht für Türk gestimmt, sondern gegen Peterle", sagte der Nationalistenführer Zmago Jelincic, der in der ersten Wahlrunde fast 20 Prozent der Stimmen erreicht habe. Die Menschen hätten sich offenbar gefürchtet, dass unter einem Präsidenten Peterle die katholische Kirche zu viele Privilegien bekommen werde. "Wenn die Wähler die Möglichkeit gehabt hätten, ihre Stimme für keinen Kandidaten abzugeben, hätte diese Kategorie gewonnen", verwies Jelincic auf die entsprechende Regelung bei Wahlen in Russland.

Haider: "Gestriger Kommunist"

Der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider hat den künftigen slowenischen Staatspräsidenten Danilo Türk als "gestrigen Kommunisten" kritisiert. Er warnte davor, den kommenden EU-Ratsvorsitz Sloweniens für die Internationalisierung der Ortstafel-Frage zu missbrauchen und den Antritt Sloweniens als Rechtsnachfolger Jugoslawiens zu forcieren. "Das ist historisch und politisch gesehen ein völliger Unsinn, vertreten von einem gestrigen Kommunisten", wies der BZÖ-Politiker die Position Türks zurück, dass Slowenien die Rechtsnachfolge Jugoslawiens in dem die Rechte der Kärntner Slowenen festschreibenden Staatsvertrag antreten soll.

Mesic: "Jedes Land hat das Recht denjenigen zu wählen, den es will"

#Der Sieg des Linkskandidaten Danilo Türk bei der slowenischen Präsidentenwahl ist im Nachbarland Kroatien verhalten kommentiert worden. "Jedes Land und jedes Volk hat das Recht denjenigen zu wählen, den es will", sagte Türks künftiger Amtskollege Staatspräsident Stjepan Mesic am Montag in Zagreb. Grund für die verschnupfte Reaktion sind Vetodrohungen Türks gegen den EU-Beitritt Kroatiens, sollte das Land wie geplant zum Jahreswechsel die östliche Adria einseitig zu seiner Umweltschutz- und Fischereizone erklären.

"Ich hoffe, dass die 'harten' Aussagen (Türks) gegenüber Kroatien nur für den Hausgebrauch waren und dass wir jetzt von beiden Seiten eine Politik betreiben werden, die Kroatien und Slowenien nützen wird", sagte Mesic auf Journalistenfragen.

Peterle hatte den ersten Wahlgang der Präsidentenwahl vor drei Wochen mit 28,7 Prozent nur knapp vor Türk mit 24,5 Prozent gewonnen, obwohl die Linke einen fast gleich starken zweiten Kandidaten, Ex-Notenbankgouverneur Mitja Gaspari ins Rennen geschickt hatte.(APA)