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Eine Empfehlung für eine gesunde Energiezufuhr. Das Essverhalten der Österreicher aber stellt die Ernährungspyramide geradezu auf den Kopf.

Grafik: APA/Fonds Gesundes Österreich
Das Ernährungsverhalten in Europa sei derart schlecht geworden, dass die Auswirkungen der zunehmenden Fettleibigkeit das derzeitige Sozialsystem zusammenbrechen lassen könnten: Während der United European Gastroenterology Week (UEGW), die vergangenes Wochenende in Paris zu Ende ging, waren Experten, die sich mit dem Problem der Obesität bei Kindern befassen, zur Ansicht gelangt, dass die heutige Generation von Kindern die erste sein könnte, die noch vor ihrer Elterngeneration stirbt.

Starker Anstieg an fettleibigen Kindern

Die Zahlen: In Europa sei jeder zweite Erwachsene fettleibig, jeder fünfte krankhaft fettsüchtig (adipös). Seien im Jahr 2005 noch 14 Millionen Kinder als übergewichtig oder fettleibig eingestuft worden, liege die Zahl nun bei etwa 22 Millionen. Die Folgen der Adipositas sind vielfältig: Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes, Bluthochdruck, Fettleber, Stoffwechselstörungen, Gicht, Arthrose, Osteoporose und sogar Krebs (als mögliche Auslöser werden hier auch die in Fast Food und Fertigprodukten vermehrt vorkommenden Transfette diskutiert).

Krankheiten bedingt durch Fettleibigkeit

Für die jungen Europäer stellten die Fachleute fest: Etwa 20.000 fettleibige Kinder leiden bereits heute an Typ-2-Diabetes, dem "Altersdiabetes". Etwa eine Million trägt Herz-Kreislauf-Erkrankungen davon und bei mehr als 1,5 Millionen manifestieren sich bereits Leberschäden im Frühstadium. Nicht zu vergessen seien psychische Probleme, allen voran Depressionen. Fettleibige Kinder würden von anderen oft diskriminiert, was zu Verhaltensstörungen, Minderwertigkeitskomplexen und in der Folge zu gefährlichen Störungen bei der Nahrungsaufnahme führen kann: Anorexie und Bulimie.

Zuviel Energie

Fettleibigkeit entsteht durch übermäßige Zufuhr von Energie und deren unzureichendem Verbrauch. Wie Daten der Statistik Austria über die Ernährungsgewohnheiten zeigen, nehmen Kinder große Mengen Fett und Zucker, also übermäßig viel Energie zu sich - die Häufung von Kindern mit Hyperaktivitätsstörungen wird unter anderem auch auf ein Zuviel an Zucker zurückgeführt.

Und für Kinder wie Erwachsene zeigen die Daten auch ein Übermaß an Fleisch und tierischen Produkten, alles enorme Kalorienquellen: Der Inlandsverbrauch betrug im Vorjahr 815.100 Tonnen Fleisch (98,5 Kilo pro Kopf), 767.600 Tonnen Trinkmilch (92,7 Kilo pro Kopf), 1,95 Milliarden Eier (236 Stück pro Kopf) aber nur 62.900 Tonnen Fisch (7,6 Kilo pro Kopf), was die von Wissenschaftern empfohlene Ernährungspyramide geradezu auf den Kopf stellt.

Unaktive Freizeitgestaltung

Dies wird begleitet von immer weniger Bewegung, das empfohlene Pensum an körperlicher Aktivität von mindestens drei bis fünf Stunden täglich wird von den wenigsten Kindern erreicht, die ihre Freizeit immer öfter vor dem Computer oder Fernseher verbringen.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung von Adipositas ist komplex, Diäten ohne Individualisierung und Begleitung führen selten zum Ziel, können sogar schädlich sein. Eine Therapie sollte mindestens zwölf Monate erfolgen und dauerhaft ärztlich begleitet werden. An vorderster Stelle sollten verhaltenstherapeutische und psychologische Maßnahmen stehen, begleitet von Ernährungsberatung und -therapie sowie einer Anleitung zu mehr Bewegung.

Chemische Helfer

Da dies allein oft nicht (mehr) ausreicht, steht die Adipositas auch im Fokus der Wissenschaft. Bekannt ist inzwischen, dass das Zentral- nervensystem eine entscheidende Rolle bei der Energieaufnahme und -verarbeitung spielt. So wurden zahlreiche Hormone und Botenstoffe von Nervenzellen (Neuropeptide) identifiziert, die großen Einfluss auf Sättigungsgefühl und Appetitsteuerung haben. Eine Fülle an Schlankheitspillen darf daher erwartet werden.

Der Body-Mass-Index bestimmt

Wann aber ist jemand zu dick? Zur Bestimmung hat sich der Body-Mass-Index (BMI) durchgesetzt: Körpergewicht in Kilo dividiert durch Körpergröße in Metern zum Quadrat. Werte von normalgewichtigen Personen liegen gemäß der Adipositas-Klassifikation der WHO zwischen 19 und 24,9, ab 30 sind demnach übergewichtige Personen behandlungsbedürftig. (DER STANDARD, Printausgabe, Andreas Feiertag, 12.11.2007)