Rom - Der weltweite Energieverbrauch wird in den kommenden Jahrzehnten nochmals deutlich steigen. Nach einer Studie des Weltenergierates (WEC), die am Montag bei der Weltenergiekonferenz in Rom vorgestellt wurde, wird die Nachfrage nach Energie bis 2050 um 70 bis 100 Prozent steigen, sich also verdoppeln. Gegenwärtig könnten rund zwei Milliarden Menschen, ein Drittel der Weltbevölkerung, keine kommerzielle Energie nutzen. Grundsätzlich gebe es aber keine Engpässe bei Ressourcen, Kapital oder Technologie, die einer breiteren Energienutzung entgegenstünden. Problem sei vielmehr Transport und Verteilung der Energie.

Klimeapolitik und Zukunft der Versorgung

Inmitten von Rekordölpreisen stehen die Klimapolitik und die Zukunft der globalen Energieversorgung im Mittelpunkt des 20. Welt-Energiekongresses (11.-15.11.). Er startete am Montag in Rom mit einer Ansprache von EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso. Alle drei Jahre versammeln sich auf Einladung des unabhängigen Weltenergierates (WEC/World Energy Council) führende Vertreter aus der Energiewirtschaft, von Regierungen aus Industrie- und Schwellenländern und aus wissenschaftlichen Instituten zum Meinungsaustausch über die technischen, wirtschaftlichen und politischen Zukunftsfragen der Branche.

"Es wird darum gehen, wie rund zwei Milliarden Menschen Zugang zu Energie bekommen können", sagte Jürgen Stotz, der Präsident des Deutschen Nationalen Komitees (DNK) der Weltenergierates, vor der Konferenz der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Dazu ist es notwendig, neue Energiequellen zu erschließen." Angesichts der hohen Ölpreise von mehr als 90 Dollar je Barrel (159 Liter) sei es möglich, zusätzliche Ölmengen zum Beispiel aus Ölsänden und -schiefer wirtschaftlich zu gewinnen. Nach allen Vorhersagen werden Öl und Gas in den kommenden Jahrzehnten die wesentlichen Energieträger für die Versorgung der Menschheit bleiben.

Neues Szenario

Bei dem Kongress wird der WEC ein neues Szenario für die Energieversorgung bis 2050 präsentieren. Weltweit sind die Trends in der Energieversorgung etwas anders gewichtet als in Deutschland: Viele Staaten fördern erneuerbare Energien als Ergänzung zu ihrem Energiemix, aber nur wenige trauen Wind, Sonne oder Wasserkraft zu, die Hauptlast zu tragen. Dagegen ist die Kernenergie in den meisten Ländern eine willkommene Methode der Stromerzeugung, da mit ihr keine klimaschädlichen Gase verbunden sind.

Ein Schwerpunktthema ist auch der wachsende Energiehunger von Staaten wie Indien und China, die fast allein für die steigende Energie-Nachfrage verantwortlich sind. Das wirft Probleme für den Klimaschutz auf: Allein in China wird jede Woche ein neues Kohle- Kraftwerk gebaut. "Clean Coal", saubere Kohlekraftwerke, werden deshalb als nächster globaler Trend erwartet, sobald die Technologie ausgereift ist, das CO2 abzuspalten und zu lagern. Kohle ist als Energieträger am reichlichsten vorhanden und kostengünstig verfügbar und wird daher vor allem in Schwellenländern gern eingesetzt.

Prominente Redner

Auf der Rednerliste finden sich Größen der Energiewirtschaft wie ExxonMobil-Chef Rex Tillerson und Anne Lauvergeon, die Vorstandsvorsitzende des französischen Areva-Konzerns. Auch Abdallah S. Jum'ah, Chef der weltgrößten Ölfördergesellschaft Saudi Aramco und Jeffrey R. Immelt, der General Electric leitet, gehören zu den Referenten, ebenso wie Nobuo Tanaka, der Direktor der Internationalen Energie-Agentur. Aus Deutschland reisen unter anderem an Hans-Peter Villis von EnBW, Vattenfall-Europe-Chef Hans-Jürgen Cramer und von E.ON Energie Johannes Teyssen. Die offizielle Eröffnungsfeier ist bereits am Sonntagabend. (APA)