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Kleinere Institute könnten ohne Studiengebühren ausländischer Postgraduate-Studenten nicht überleben.

Foto: ap/Townson
Die Vereinigten Staaten wollen ihre Hochschulen wieder internationaler machen. Zahllose US-Universitäten werben um nichtamerikanische Studenten. Jedes Jahr sollen diese Studiengebühren in Höhe von zweistelligen Milliardenbeträgen in die Uni-Kassen tragen.

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Gastspiele indischer Künstler, veganische Restaurants, ein buddhistischer Tempel: Es klingt fast wie zuhause und sogar noch ein bisschen besser. Denn an der University of Buffalo, so wirbt der Prospekt, können die indischen Gast-Studierenden zudem zahlreiche Wintersportaktivitäten ausprobieren.

Die University of Buffalo gibt sich alle nur erdenkliche Mühe, ihre Hörsäle mit Postgraduates aus Übersee zu füllen. Dekan Lewis Mandell lässt es sich selbst nicht nehmen, potentielle Kandidaten persönlich vor Ort zu treffen. Er war schon öfters in Delhi und hat noch ein Dutzend andere Hauptstädte in Asien auf seiner Besuchsliste: "Jeder, der über gute Kenntnisse und genügend Motivation verfügt, ist willkommen."

Die University of Buffalo ist kein Einzelfall. Zahllose US-Universitäten werben um nichtamerikanische Studenten. Letztere sind eine finanzielle Notwendigkeit: 565.000 Gaststudierende halten sich derzeit in den Staaten auf, jedes Jahr spülten sie mit ihren Studiengebühren zweistellige Milliardenbeträge in die Kassen der amerikanischen Universitäten. Insbesondere kleinere Institute könnten ohne diese Mehreinnahmen nicht überleben. Doch die seit den Terroranschlägen vom 11. September verschärften Visa-Vorschriften des Landes fordern ihren Tribut. Seit 2003 ist die Zahl der Gaststudierenden zunächst um 2,4 und dann noch einmal um 1,3 Prozent gesunken. England, Deutschland, Kanada und Australien verzeichneten dagegen Zuwächse an ausländischer Intelligenz.

Einreise erleichtert

Selbst die Regierung in Washington hat inzwischen eingesehen, dass die Sicherheitsmaßnahmen nach "9/11" und der Antiterrorkrieg dem Bildungssystem werbetechnisch nicht gerade förderlich waren.

Die Website des US-Außenministeriums, die ausländische Studierende und Wissenschafter zum Aufenthalt in den USA einlädt, ist inzwischen neu und auffallend freundlich gestaltet worden. Die Botschaft lautet eindeutig: Die Zeit der Ungewissheiten und Verzögerungen, die wegen der chaotischen Visavergabe und langwierigen Sicherheitsüberprüfungen zu verspätetem Studienbeginn und geplatzten wissenschaftlichen Konferenzen führte, ist vorbei. Dahinter steckt mehr als nur leere Parolen.

Die mit der Verschärfung der Visaregeln einhergehenden bürokratischen Engpässe sind tatsächlich größtenteils behoben. Die Zahl der Visabeamten in den US-Botschaften und -Konsulaten wurde inzwischen um mehr als 500 aufgestockt. Nach Angaben des US-Außenministeriums erhalten nun 97 Prozent der ausländischen Bewerber innerhalb von zwei Tagen ein Studentenvisum.

Regina Resnick, Karrieredienstchefin an der Columbia University in New York, ist beeindruckt: "Die Situation für ausländische Studierende und Wissenschafter hat sich tatsächlich verbessert, ich höre viel weniger Beschwerden und Horrorgeschichten."

Nicht dass alle Hürden aus dem Weg geräumt wurden. Bewerber im saudi-arabischen Riad etwa müssen immer noch bis zu anderthalb Monate warten, ehe sie überhaupt zu einem Gespräch bei der lokalen US-Botschaft geladen werden.

Außerdem sind Studierende und Wissenschafter, deren Visum abgelaufen sind, weiterhin verpflichtet, die USA zu verlassen. Sie können sich nur beim US-Konsulat im Heimatland neu bewerben. Al Teich, von der Washington-kritischen American Association of the Advancement of Science sagt: "Es besteht großes Risiko, nicht mehr hereingelassen zu werden."

Ein weiterer Knackpunkt für die "Brain-Gain"-Bemühungen der USA: Die Berufsperspektiven in den Staaten haben sich derart verschlechtert, dass es selbst für die Bestausgebildetsten mittlerweile monatelange Wartezeiten gibt. Immer mehr verlassen ihr Gastland deshalb gleich nach der Diplomverleihung. "Vor allem die Asiaten wollen von den besseren Wirtschaftsbedingungen in ihrer Heimat profitieren", sagt der New Yorker Professor Mohammed Karim, der vor 30 Jahren in die Staaten übersiedelte und dort blieb.

Laut Statistik wandert mehr als die Hälfte der asiatischen Postgraduates über kurz oder lang aus den USA ab.

Eine düstere Perspektive für ein Land, das seine Vormachtstellung seit jeher ausländischen Talenten zu verdanken hat. Jede vierte Hightech-Firma im kalifornischen Silicon Valley wurde von zugewanderten Indern oder Chinesen aufgebaut. Drei Viertel der seit 1997 nobelpreisgekrönten, amerikanischen Physiker oder Chemiker wurden außerhalb der USA geboren. (Beatrice Uerlings aus New York/DER STANDARD Printausgabe, 10./11. November 2007)