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REUTERS/Robert Galbraith
Künstler und kleine Labels sind die größten Gewinner der grundlegenden Veränderungen in der Musikbranche. Während die alten großen Musikfirmen immer härter mit der Digitalisierung und dem Download-Boom zu kämpfen haben, können sich Musiker und kleine, unabhängige Labels das Internet als neuen Vertriebsweg durchaus zu Nutze machen. Wie die Musikschaffenden künftig am besten vom aktuellen Strukturwandel in der Branche profitieren können, welche Rolle die Wirtschaft einnehmen sollte und wo dabei die Verantwortung der Politik liegt, wird am 12. und 13. November im Zuge der Fachkonferenz "The fan, the music and the net" unter der Organisation von mica austria in Wien diskutiert.

Chancen

Mit verkürzten und veränderten Wertschöpfungsketten bringe das Internet neue Chancen für Kreative und Musikfans mit sich, meinte mica-Geschäftsführer Peter Rantasa heute, Montag, im Rahmen einer Pressekonferenz zum Auftakt des Fachkongresses. "Die Entwicklung ist eine einmalige Chance, endlich jene zu stärken, die für die Musik die wichtigsten Beteiligten sind - Künstler und Hörer." Die Wirtschaft solle sich darauf konzentrieren, beiden Seiten zu dienen. Die gemeinnützige Organisation mica arbeitet seit dem Jahr 1994 unter anderem dafür, österreichische Musik weltweit zu fördern und zu verbreiten. Im vergangenen August startete mica die weltweite Initiative "fair music". Diese fordert gerechte Standards in der Musikwirtschaft sowie die Stärkung der Stellung von Künstlern und Konsumenten. "Unser Ziel ist es, eine Balance zwischen Kultur und Wirtschaft herzustellen. Derzeit haben wirtschaftliche Anliegen meist Priorität und kulturelle Fragen stehen etwas im Schatten", so Peter Rantasa im pressetext-Interview.

Politik gefordert

Um diese Ziele zu erreichen, wird aber auch die Politik gefordert sein. Denn derzeit ist die Rechtslage noch stark auf die Bedürfnisse der alten und mittlerweile überholten Musikwirtschaft ausgerichtet. Die aktuellen Entwicklungen machen neue Rahmenbedingungen notwendig, damit die Musikindustrie weiter überleben kann. So verlangt Peter Jenner, britischer Musikmanager und Co-Autor des gewichtigen Berichts zum digitalen Musikgeschäft "Beyond the Soundbites", dass die Regierungen den Dialog zwischen den einzelnen Parteien in der Musikbranche fördern und die Konsumenten stärker miteinbezogen werden sollten. Jenner wünscht sich ein grundlegendes Gebührenmodell für Online-Musik, das jedoch sehr niedrig angesetzt und "unsichtbar" sein soll. Die Abrechnung müsse so erfolgen, dass es dem Konsumenten eigentlich gar nicht auffällt, dass er für Musik im Internet bezahlt.

Nicht ideal

Existierende Abo-Modelle seien jedenfalls noch nicht die ideale Lösung, sind sich der Musikmanager Jenner und Ex-Undertones-Sänger Feargal Sharkey, der nun unter anderem als Vorsitzender des britischen Live Music Forum die Live-Musikszene auf der Insel beobachtet, einig. "iTunes zum Beispiel dient wunderbar dem Verkauf von iPods, es bringt jedoch kein Geld für die Künstler", sagt Sharkey. Und auch vom Kopierschutz halten die beiden Engländer wenig. "DRM funktioniert nicht und war eine schlechte Idee." Die Konsumenten seien viel zu clever dafür, meint Jenner. Daher müssten künftig ganz andere Wege gefunden werden, Künstler rechtmäßig für ihre Arbeit zu entlohnen.

Beispiele

Im Zuge der Fachkonferenz sollen dazu einzelne Beispiele vorgestellt und diskutiert werden. So wird etwa Alexander Hacke, Bassist der Band Einstürzende Neubauten, ein seit Jahren erfolgreiches Subskriptionsmodell vorstellen, bei dem die Fans einmalig eine Gebühr bezahlen und Zugang zu einem geschützten Bereich der Band-Webseite erhalten. Clemens Fantur vom Radiosender FM4 wird ein funktionierendes Beispiel von Selbstvermarktung präsentieren und Mariann Unterluggauer von Ö1 zeigt, wie Künstler die Instrumente des viralen Marketings nutzen können. (pte)