Lindabrunn - Österreichs Fußball-Nationalmannschaft ist personell dezimiert in die Vorbereitung auf die Testspiele im Wiener Happel-Stadion gegen England (Freitag) und Tunesien (darauffolgender Mittwoch) gestartet. Teamchef Josef Hickersberger fehlten in der ersten Einheit am Montag in Lindabrunn gleich sieben Spieler: Andreas Ivanschitz und Jürgen Macho stießen nach dem Athener Derby am Sonntagabend erst im Laufe des Tages zu ihren Kollegen, dies traf auch auf Andreas Ibertsberger, Alexander Manninger, Helge Payer, Rene Aufhauser und Christoph Leitgeb zu.

Die beiden Letzteren waren beim Teamchef entschuldigt, weil ihr Flug von Salzburg nach Wien am Sonntag wegen des Wintereinbruchs gestrichen worden war (Hickersberger: "Das wird die Vorbereitung auf das England-Match nicht besonders beeinträchtigen"). Dadurch blieben gerade einmal 16 Akteure vom ursprünglichen 23-Mann-Kader übrig. Außerdem sind Sanel Kuljic, Markus Weissenberger und Martin Stranzl noch leicht angeschlagen und absolvierten so wie die am Sonntag im Einsatz gewesenen Austrianer eine Regenerationseinheit.

Verletzungssorgen in England

Bis zur Freitag-Partie dürften aber alle Kicker wieder fit sein, wodurch Hickersberger mit Ausnahme des langzeitverletzten Markus Katzer und des seine Sperre absitzenden Emanuel Pogatetz praktisch auf alle Schlüsselkicker zurückgreifen kann. Im Gegensatz dazu sind die Personalprobleme von Steve McClaren weit größer, muss der englische Teamchef doch neben Rio Ferdinand (wegen Sperre im Kroatien-Match nicht einberufen) und John Terry auch auf den verletzten Wayne Rooney verzichten.

"Rooney ist einer der besten jungen Spieler weltweit, in den letzten neun Pflichtspielen hat er neunmal getroffen. Mein Bedauern hält sich in Grenzen, weil England durch seinen Ausfall einen torgefährlichen Spieler weniger hat", erklärte Hickersberger und ergänzte: "England ist zwar trotzdem zu favorisieren, aber auch England kann nicht alle Spieler ersetzen, und dazu zählt Rooney."

Stürmer-Alternativen

Während die Engländer Sorgen im Angriff haben, besteht in dieser Formation im ÖFB-Team erstmals seit längerer Zeit wieder so etwas wie ein "Luxusproblem". Roland Linz traf zwar in der portugiesischen Liga gegen Sporting, steht aber nicht im Kader, dazu feierte Marc Janko sein Comeback und kamen Erwin Hoffer und Rubin Okotie zu Bundesliga-Einsätzen. "Es ist gut, wenn der Konkurrenzkampf größer ist", meinte Hickersberger, der sich nach eigenen Angaben "besonders freute", dass Linz zu einem Torerfolg kam.

Vor über zwei Jahren beim 0:1 in Manchester war Linz noch über die volle Distanz im Einsatz gewesen. Damals wurde David Beckham ausgeschlossen, nun bekommt der reichste Kicker der Welt die Chance zur Revanche. "Beckham wird sicher zum Einsatz kommen, weil er Spiele braucht", vermutete "Hicke". Ansonsten herrscht beim Niederösterreicher noch etwas Rätselraten über die mögliche Aufstellung des Weltmeisters von 1966.

Verstärkte B-Garnitur?

Wenn die Insel-Kicker im Hinblick auf das vielleicht entscheidende EM-Quali-Spiel gegen Kroatien möglicherweise auch nur mit einer verstärkten B-Garnitur einlaufen werden, so ist Hickersberger dennoch davon überzeugt, dass die Partie für die Engländer eine wichtige Bedeutung haben wird. "Denn sonst hätten sie bestimmt nicht versucht, dieses Spiel auszumachen."

Als Einstimmung auf das England-Match testen Ivanschitz und Co. Dienstagnachmittag (14:30 Uhr) in Lindabrunn gegen die U19-Auswahl der Akademie Hollabrunn. "In diesem Spiel werden hauptsächlich die zum Einsatz kommen, die zuletzt nicht regelmäßig gespielt haben", kündigte Hickersberger an.

Gegen die Austria-Junioren soll - soweit das in diesem Match möglich ist - auch an einer elementaren Schwäche der ÖFB-Auswahl gearbeitet werden. "Unser Hauptproblem ist, dass wir uns in Ballbesitz zu wenig ausruhen können, auch wenn es zuletzt gegen die Elfenbeinküste halbwegs gelungen ist. Wir machen zu viele unerzwungene Fehler. Wir müssen den Ball mehr zirkulieren lassen, sonst werden wir gegen England schlecht ausschauen", sagte Hickersberger, für den diese Mangelerscheinungen auch die Ursache für die verdiente UEFA-Cup-Niederlage der Austria gegen Bordeaux waren.(APA)