Christine Jasch gründete 1990 das Institut für Ökologische Wirtschaftsforschung in Wien.

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Die Möglichkeit, sich über CSR-Initiativen zu profilieren, stehe "nicht im Widerspruch zur Freiwilligkeit", stellt Christine Jasch, Gründerin und Leiterin des Instituts für Ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), fest. "Aber natürlich gibt es heute eine gewisse Erwartungshaltung – die auch verstärkt an Unternehmen herangetragen wird: eine aktive Rolle einzunehmen, die über die Gewinnmaximierung hinausgeht."

Auf Basis der Einreichungen zum Trigos-Preis, einer "Auszeichnung für Unternehmer mit Verantwortung", erstellte Jasch eine Studie zur Kosten-Nutzen-Rechnung von CSR. Die rund 150 Einreichungen und 18 Preisträger der Jahre 2005 und 2006 wurden dabei nach Handlungsfeldern analysiert, zudem wurden interne und externe Effekte von Nachhaltigkeitsinitiativen bewertet. In ihrer Forschungsarbeit habe sie unter anderem herausgefunden, "dass rein philantropisch aufgestellte Maßnahmen nicht geeignet sind, ein Image nachhaltig zu verändern". Jedoch, so Jasch, "alles, was im Bereich der Work-Life-Balance, des Mitarbeiter- und Umweltschutzes unternommen wird", zeige Wirkung beim Konsumenten.

"Die merken schon, ob etwas über die PR-Abteilung aufgesetzt wurde oder ob es tiefer verankert ist und von den Verantwortlichen des Unternehmens auch gelebt wird." Kleine und mittelgroße Betriebe täten sich dabei leichter, weil sie oft "von idealisierten Persönlichkeiten getragen werden, die glaubhaft rüberkommen." Der größte Unternehmenserfolg sei zu erwirken, wenn Maßnahmen in unterschiedlichen Nachhaltigkeitsbereichen gesetzt werden.

Betriebserfolg fördern

Mit den Ergebnissen ihrer Studie belegt die IÖW-Chefin unter anderem auch einen positiven Wirkungszusammenhang zwischen CSR und dem betrieblichen Erfolg. Zwar sei dieser nicht genau messbar – bzw. fehle ein generell akzeptierter Maßstab zur Bewertung –, jedoch seien die Maßnahmen, die eine positive Entwicklung unterstützen, bekannt.

Als Beispiel nennt Jasch den mutmaßlichen Zusammenhang zwischen betrieblichen Umweltmanagementsystemen und der Mitarbeiterzufriedenheit: Man könne die Qualität beider Parameter messen, "aber nicht, wie viel das verbesserte Umweltmanagement zur Zufriedenheit der Mitarbeiter beigetragen hat".

Besonders ins Auge springt ein Studienergebnis, wonach CSR nur sehr bedingt zur Aufpolierung des beschädigten Rufs eines Unternehmens tauge. Ganz im Gegenteil werde ein ansonsten nachhaltig und verantwortlich agierender Betrieb durch ein negatives Ereignis, das Schlagzeilen macht, beim Kunden mitunter auf längere Zeit sehr schlecht angeschrieben bleiben. Themen, die beim Konsumenten "ziehen", seien stets jene, die "glaubhaft nahe am Geschäftszweck liegen".

So setzt z. B. die Bäckerei Ruetz, die 50 Filialen mit rund 500 Mitarbeitern betreibt, ihr christliches Leitbild "Brot ist zum Teilen da" auf glaubwürdige Weise um. Jährlich wird rund ein Prozent vom Umsatz für vielfältige soziale und kulturelle Aktivitäten bereitgestellt, großteils in Kooperation mit der Caritas. Die Strategie einer Fastfood-Kette, mit Salat und dem Wellnessgedanken zu werben, ist für Jasch hingegen "unglaubwürdig". (Bernhard Madlener, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.11.2007)

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