Bagdad – Die USA weigern sich, drei wegen Massenmords an den Kurden zum Tode verurteilte Mitglieder des alten irakischen Regimes der Regierung von Nuri al-Maliki zur Hinrichtung zu übergeben, wie diese dringend fordert. „Chemical Ali“, Ali Hassan al-Majid, ein Cousin Saddam Husseins, ist der Berühmteste der drei, aber um ihn geht es nicht, sondern um Exverteidigungsminister Sultan Hashim Ahmad Jabburi Tai.

Für Sultan Hashim setzen sich nicht nur die Sunniten ein – er sei unter Befehlsnotstand gestanden –, sondern auch Präsident Jalal Talabani und Außenminister Hoshyar Zebari, beide Kurden. Der Hinrichtungsbefehl müsste vom Präsidenten und den zwei Vizepräsidenten (einer Sunnit, einer Schiit) unterschrieben werden, keiner von ihnen ist dazu bereit. Maliki will sich – wie auch schon in anderen Fällen, nicht zuletzt bei Saddam Hussein selbst – darüber hinwegsetzen. Dass damit die Hinrichtungen legal problematisch werden, war bisher kein Thema im Irak.

Der Hauptgrund für die Weigerung der USA ist wohl, dass sie keine neue Entfremdung der Sunniten riskieren wollen. Sultan Hashim gehört einem wichtigen sunnitischen Stamm an, der beim nun erfolgreichen Kampf gegen Al-Kaida eine entscheidende Rolle spielt. Darüber hinaus gab es immer Gerüchte, dass er mit den USA bei der Invasion 2003 kooperiert hat. (guha/DER STANDARD, Printausgabe, 13.11.2007)