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Um den anthropogenen Klimawandel abzuschwächen, müssen Kraftwerke und Fabriken weniger C02 ausstoßen.

Foto: AP/Roberto Pfeil
Valencia/Wien - Es sind die Vertreter der USA, von denen erwartet wird, dass sie an einer eher wenig aussagekräftigen Zusammenfassung der IPCC-Klimareporte des heurigen Jahres interessiert sein werden. Auch von Saudi-Arabien wird eher Abschwächendes erwartet, sagt Gabriela Goerne, die als Greenpeace-Mitarbeiterin Beobachterstatus beim IPCC-Treffen in Valencia hat. Schließlich soll der maximal 22 Seiten umfassende Bericht, der Ende der Woche vorgestellt wird, als Kerndokument für den Klimagipfel Anfang Dezember in Bali dienen, bei dem rund 180 Staaten um einen völkerrechtlichen Nachfolgevertrag zum Kioto-Klimaprotokoll ab 2013 feilschen.

Deshalb gehe es darum, zu "zeigen, dass in Bali der Ball bei den Politikern liegt", erklärt Klaus Radunsky vom Umweltbundesamt, der bei den Verhandlungen in Valencia Österreich vertritt. Neben den heuer breit bekanntgemachten Auswirkungen des vom Menschen verursachten Klimawandels - vermehrt auftretende Wetteranomalien und Extremwetterereignisse - hofft der Chemiker deshalb, dass in dem Kurzbericht eine starke Betonung auf Treibhausgas-Emissionsminderungen gelegt wird. Schließlich sollen spätestens ab 2020 die CO2-Emissionen nicht mehr steigen, da ansonsten "unumkehrbare Prozesse in Gang gesetzt" werden - also ein Abschmelzen der Eisschilde in Grönland und Übersäuerung der Meere, wie es in den IPCC-Berichten heißt.

Energieverbrauch

Insbesondere die USA sind dabei wieder das Zünglein an der Waage. Das derzeit gültige Klimaregime (Kioto-Protokoll), das bis Ende 2012 gilt, wäre fast nicht zustande gekommen, da die USA (ebenso wie Australien) nicht mitgemacht haben. Saudi-Arabien wiederum stößt sich als Land mit den größten Erdöl-Reserven daran, dass beim exzessiven Verbrauch von Erdöl, Erdgas und Kohle die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre und damit der Treibhauseffekt zunimmt (siehe Grafik).

"Die Botschaft muss sein, dass die Auswirkungen des Klimawandels bereits jetzt spürbar sind und dass das nur abgemildert werden kann, wenn weitreichende Maßnahmen gesetzt werden", sagt deshalb Radunsky. Unsicherheitsfaktoren über die Projektionen des IPCC, die immer wieder kritisch laut wurden, dürften nicht in den "Synthesis-Report" einfließen, meint Radunsky: "Das hat man diskutiert, dürfte aber wegen der gebotenen Kürze nicht möglich sein." Insbesondere Wasserdampf und Wolkenbildung - beides Faktoren, deren Rolle im Rahmen der prognostizierte Erderwärmung noch kaum erforscht sind - kommen in den IPCC-Reporten kaum vor.

Im Kioto-Vertrag haben sich 36 Industrienationen darauf verpflichtet, den Ausstoß der Treibhausgase bis 2012 um mindestens fünf Prozent unter das Niveau des Jahres 1990 zu senken. Das weitere Vorgehen ist bisher umstritten. Klimaschützer pochen darauf, dass die größten Klimasünder wie die USA oder aufstrebende Schwellenländer wie China und Indien ebenfalls feste Quoten zusagen. Entwicklungsländer wehren sich gegen Einschränkungen beim Ausbau ihrer Industrie. (Johanna Ruzicka/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13. 11. 2007)