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Martin Pollack

Foto: APA/LUKAS BECK/PAUL ZSOLNAY VERLAG
Wien - Beim AUftakt der 60. Buchwoche ist dem österreichischen Autor, Journalist, Herausgeber und Übersetzer Martin Pollack (63) am Montag Abend der "Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln" verliehen worden.

Martin Pollack entziehe sich einer schnellen Einordnung, meinte Laudator Henryk M. Broder, der sich als "Viertel-Österreicher" outete, ein Bibliothekar müsse lange nachdenken, ob seine Bücher unter Sachbuch oder Belletristik einzuordnen seien. Seine Tatsachenromane seien "Werke, die jeden Trend, jede Mode, jeden Schnickschnack überleben, der heute hipp und morgen ex ist". "Anklage Vatermord" sei "ein grandioses Buch", in "Der Tote im Bunker" erzähle Pollack "die Geschichte seines leiblichen Vaters mit der Präzision eines Chirurgen".

"Meisterwerke der journalistischen Literatur oder des literarischen Journalismus"

"Die Bücher von Martin Pollack sind Meisterwerke der journalistischen Literatur oder des literarischen Journalismus - wie sie es gerne wollen", sagte Broder und bekannte: "Ich bin kein Anhänger des Toleranzprinzips, ich halte es für ein überholtes Konzept. (...) In horizontalen Gesellschaften kommt die Toleranz nicht den Schwachen, sondern den Rücksichtslosen zugute." Toleranz stehe auf dem Paravent, hinter dem sich Bequemlichkeit und Feigheit verstecke. "Was wir brauchen, ist nicht mehr Toleranz, sondern mehr Militanz", forderte der Laudator und wandte sich abschließend an den Preisträger: "Ob Sie nun für Toleranz oder Militanz geehrt werden, ist am Ende völlig egal, denn das Einzige, das zählt, ist Relevanz. Bitte machen Sie weiter!"

Martin Pollack, der 1987-1998 Korrespondent des deutschen Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" war und seit 1998 als freier Autor und Übersetzer arbeitet, erzählte in seiner Dankesrede von einer Reise nach Weißrussland, das "im blinden Winkel unserer Aufmerksamkeit" liege. Präsident Alexander Lukaschenko setze auf Russisch und würde die weißrussische Sprache lieber heute als morgen ganz aus dem Alltag verbannen, der Geheimdienst trage noch immer noch stolz den Namen KGB. "Das politische Klima in Belarus ist dumpf und beklemmend - doch wie kommt es, dass wir so wenig darüber wissen?" (APA/red)