Das Gezerre um die Bekanntgabe der Zusatzeinkünfte von Abgeordneten zeigt einmal mehr: Am besten wäre, sie hätten erst gar keine Nebengschäftln. Oder anders ausgedrückt: In den vier Jahren, bald sind es fünf, für die Mandatare in den Nationalrat einziehen, sollten sie reine Berufspolitiker sein. Zum einen garantiert ein passables Gehalt von 8023 Euro, dass die Volksvertreter auch dann nicht hungern müssten; zum anderen ist der Job, wenn man ihn ernst nimmt, ohnehin eine Fulltime-Angelegenheit.

Denn angesichts der Gesetzesflut, die sie verabschieden, sollten Abgeordnete zunächst viel Zeit investieren, um sich einen Überblick zu verschaffen. Aber Hand aufs Herz: Viele haben doch oft keine Ahnung, wozu sie da genau die Hand heben oder unten lassen. Das freie Mandat ist ein Mythos, faktisch herrscht Klubzwang, der selbst Querdenker, wenn es ernst wird, zur fraktionstreuen Stimmmasse zurückkehren lässt, die die Klubobleute dirigieren. Wegen dieser Bevormundung mutiert der durchschnittliche Nationalrat einer Großpartei nebenberuflich gerne zum Hansdampf in allen Gassen. Und nun drucksen einige, allen voran die ÖVP, herum, ihre Bezüge offenzulegen, obwohl für ihre Wähler interessant wäre, in wessen Sold sie so stehen.

In dem Streit wird auch oft das Argument bemüht, dass Abgeordnete ihren Zivilberuf weiter ausüben sollen, damit sie sich ihre Volksnähe bewahren. Gegenfrage: Wie geht das denn, wenn sie sich zwischen zwei, drei Jobs zerreißen? - Ein System mit Berufspolitikern dagegen würde das Niveau im Plenum heben. Das hieße: Landwirte müssten sich inzwischen für ihre Höfe Pächter, Unternehmer für ihre Betriebe Treuhänder, Lehrer für ihre Posten Karenzvertreter suchen. Und Ex-TV-Moderatoren dürften Coachings erst nach ihrer Parlamentskarriere anbieten. (DER STANDARD, Printausgabe, 14.11.2007)