Bautzen - Die umstrittene Waldschlößchenbrücke im UNESCO-Welterbe Dresdner Elbtal kann gebaut werden. Das Sächsische Oberverwaltungsgericht (OVG) in Bautzen hat dafür in seinem am Mittwoch verkündeten Beschluss den Weg frei gemacht. Der OVG-Senat lehnte die Anträge dreier Naturschutzverbände auf vorläufigen Baustopp ab. Die Richter verfügten jedoch Auflagen zum Schutz der bedrohten Fledermausart Kleine Hufeisennase.

Ungeachtet dessen geht der Rechtsstreit weiter, da über die Brücke in der Hauptsache noch nicht entschieden ist. Zahlreiche Klagen sind noch anhängig. Die ersten Bauarbeiten erfolgen ungeachtet dieser noch offenen Gerichtsentscheidungen.

Nach Angaben der Stadt wird mit dem Bau "je nach Witterung" in den nächsten 14 Tagen begonnen. Zunächst wird die Baustelle auf beiden Elbseiten eingerichtet, sagte Stadtentwicklungsbürgermeister Herbert Feßenmayr (CDU), ohne nähere Angaben über Tempo und Ausmaß der Arbeiten zu machen. Den Termin für den Baubeginn würden die Baufirmen festlegen.

Integrität des Elbtals

Mit Baubeginn droht der Flusslandschaft die Aberkennung des UNESCO-Welterbetitels. Nach Auffassung der UNESCO würde die Brücke den freien Blick über das Elbtal zerstören. Daher werde man das Tal "wahrscheinlich" im kommenden Juli von der Liste des Welterbes streichen. UNESCO-Generaldirektor Koichiro Matsuura und die Leiterin des Welterbe-Ausschusses Christina Cameron bedauerten in einer gemeinsamen Erklärung die Gerichtsentscheidung. Der Bau könne "den Wert und die Integrität des Elbtals unwiederbringlich schädigen".

"Ich bedaure das Urteil und bin sehr traurig darüber", zeigte sich auch Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse in den "Dresdner Neuesten Nachrichten" enttäuscht. Er appellierte an Ministerpräsident Georg Milbradt, den "zum Teil erheblichen Widerstand der Bevölkerung" zu berücksichtigen und nach Alternativen zu suchen. Milbradt wertet den Entscheid jedoch positiv und sprach von einem "friedensstiftenden Signal". "Ich hoffe, dass jetzt insgesamt wieder Frieden einkehrt." Die Entscheidung möge nun ihre "brückenschlagende Wirkung" entfalten können.

Weiteres Tauziehen erwartet

Juristisch ist der Brückenbau längst noch nicht entschieden. Das OVG änderte am Mittwoch nur einen Beschluss der Dresdner Verwaltungsrichter, die im August den Baubeginn per Eilverfahren gestoppt hatten. Jetzt wurde einer Beschwerde des Freistaates stattgegeben. Nach Auffassung des OVG geht von dem Bauwerk selbst keine Gefahr für die Kleine Hufeisennase aus. Zum Schutz der bedrohten Fledermausart muss jedoch die Bauplanung nachgebessert werden. So soll Tempo 30 auf der Brücke in den Nächten zwischen April und Oktober verhindern, dass die Tiere bei der Jagd nach Insekten von Autos erfasst werden.

Kunstministerin Eva-Maria Stange und andere Politiker halten den Erhalt des Welterbetitels nach wie vor für möglich. Daher sollten sich die Verantwortlichen in Stadt und Land schnell an einen Tisch setzen, so Stange. Die Aberkennung des Welterbetitels wäre erst der zweite Fall in der Geschichte der Welterbestätten. Im Sommer hatte die UNESCO einem Naturschutzgebiet im arabischen Sultanat Oman den Status aberkannt. Im Fall von Dresden machte die UNESCO schon zuvor geltend, dass eine vierspurige Flussquerung die reizvolle Landschaft des Elbtales bei Dresden verschandle. (APA/dpa)