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Véronique Robert und ihr Sohn vor dem Gericht in Dubai. Erst durch internationalen Druck kam es zur Anklage

Foto: REUTERS/Steve Crisp
Von Stefan Brändle aus Paris

Es ist eine düstere Affäre, aber sie wirft ein grelles Schlaglicht auf die Folgeerscheinungen des "Wirtschaftswunders" in den Golf-Emiraten. Alexandre Robert, der 15-jährige Sohn eines französischen Vaters und einer Schweizer Mutter, feierte am 14. Juli den französischen Nationalfeiertag in Dubai, wo sein Vater als Hotelmanager arbeitet. Als er in das Luxushotel zurückkehren wollte, boten sich drei Bekannte eines Freundes an, ihn in ihrem Jeep heimzubringen. Sie entführten den Teenager aber und vergewaltigten ihn der Reihe nach.

Vergewaltigung durch Männer

Alexandre konnte das Nummernschild des Wagens notieren und erstattete sofort Anzeige. Auf der Polizeiwache versuchte man abzuwiegeln, da eine Vergewaltigung durch Männer in Dubai juristisch gar nicht existiert. Die drei Männer, die früher bereits wegen Drogenkonsum und Diebstahl verurteilt worden waren, wurden zwar am nächsten Tag verhaftet, doch Alexandres Eltern hatten den Eindruck, dass die Behörden ein Gerichtsverfahren hintertreiben wollten. Die in Paris lebende Mutter erreichte schließlich, dass sich der französische Präsident Nicolas Sarkozy des Falles annahm; bei einem Treffen mit Scheich Zayed Ben Sultan Al-Nahyan bat er ausdrücklich um restlose Aufklärung des Falles.

Peiniger HIV-positiv

In Wahrheit geschah aber wenig. Noch einen Monat nach der Tat erhielten die Roberts die offizielle Auskunft, die Peiniger Alexandres seien nicht aidskrank. Später stellte sich aber heraus, dass der Älteste, ein 35-jähriger Emirati, HIV-positiv ist. Véronique Robert richtete die Internetseite "boycottdubai.com" ein, um das Scheichtum zu einer Reaktion zu zwingen. Sie bewirkte damit ein beträchtliches Echo. Laut Le Monde ist die Klage "besonders peinlich für ein Golf-Emirat, das auf den Tourismus setzt und die Zahl seiner Besucher bis 2015 auf 15 Millionen erhöhen will". Die New York Times berichtete über ein vertrauliches Papier des französischen Botschafters in den Vereinigten Arabischen Emiraten, zu denen Dubai zählt, laut dem die Untersuchung im Fall Robert "zweifellos moralisch, pseudowissenschaftlich und politisch beeinflusst" sei.

Internationaler Druck

Unter dem internationalen Druck hat der Strafprozess in Dubai vergangene Woche dann doch begonnen. Alexandre, der nun in der Schweiz die Schule besucht, sagte unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus; auch die Angeklagten waren anwesend. Der Richter vertagte die Verhandlung. In Dubai selbst berichtete auch die lokale Presse über den Fall Robert, was als Zeichen einer gewissen Öffnung gegenüber Tabuthemen wie Aids oder Homosexualität gedeutet wird.

Wie heikel der Prozess ist, zeigt auch das mögliche Strafmaß: Offenbar um die Unvoreingenommenheit der Justiz zu belegen, plädiert der Staatsanwalt darauf, dass gegen die zwei volljährigen der drei Angeklagten die Todesstrafe verhängt wird – was von den westlichen Klägern gar nicht verlangt wurde. (Stefan Brändle aus Paris/DER STANDARD Printaugabe 15.11.2007)