In Österreich wird der weltweit erste auf Kunstfotografie spezialisierte Fonds gegründet. Mit dabei als künstlerischer Berater: der Galerist Johannes Faber.


Gute Aussichten für Fotografie? Mit dieser Frage eröffnete Barbara Psenner, Leiterin des Fokus, Forum für Fotokunst der Bank für Tirol und Vorarlberg, einen Abend in Innsbruck. Mit einem euphorischen "Jaaa!", antwortete Simone Klein (Sotheby’s London) und lieferte eine Einführung in Sachen Fotografie samt Hintergrundinformationen zum Markt.

Zweistellige Millionen-Zuschläge in den Sparten Zeitgenössische Kunst und Klassische Moderne stehen mittlerweile an der Tagesordnung. "Im Bereich der Fotografie bewegen wir uns noch nicht auf so hohem Niveau", schilderte Klein "aber der Markt hat sich in den vergangenen sieben Jahren vielversprechend entwickelt." Vor allem der Bereich Klassische Fotografie erfreut sich deutlicher Wertsteigerungen. Die teuerste Fotografie der Welt? Moonlight von Edvard Steichen, die im New Yorker Headquarter 2,92 Millionen Dollar erzielte.

Auch den Rekord für eine zeitgenössische Fotografie hält Sotheby’s: Im Februar diesen Jahres wechselte Andreas Gurskys 99 Cent II für 2,3 Millionen Euro den Besitzer. Der Löwenanteil seiner über Auktionshäuser verteilten Arbeiten, nämlich 70 Prozent, erzielt aber Preise um die 10.000 Euro. Das stärkste Wachstum unter den Becher-Schülern verzeichnet der Markt für Thomas Ruff: Seit 1997 stieg sein Preisindex (Artprice-Analyse) um satte 370 Prozent. Bei den aktuell in London abgehaltenen Auktionen hat das Segment Klassische Fotografie trotz guter Einzelresultate für Zeitgenossen die Nase vorne. Den höchsten Zuschlag bewilligte ein europäischer Privatsammler bei Christie’s mit 126.500 Pfund (€ 178.500 ) für Manuel Álvarez Bravos Vintage El Ensueño von 1931. An zweiter Stelle folgt ein Porträt-Konvolut von Hiroshi Sugimoto, das für 102.500 Pfund deutlich über den Erwartungen von Christie’s den Besitzer wechselte.

Platz drei holte sich Irving Penn (Woman with Roses on her Arm, 1950) bei 90.500 Pfund. Den höchsten Zuschlag bei Sotheby’s schaffte Andreas Gurskys Gran Canaria (1995) für zurückhaltende 48.500 Pfund (40.000–80.000 Pfund) ex aequo mit August Sanders Selbstporträt von 1925. Bei Christie’s summierten sich die 76 Besitzerwechsel auf 1,47 Millionen Pfund, bei Sotheby’s 133 Zuschläge auf etwas mehr als eine Million Pfund. Der wahre Hype auf Fotografie ist eben nicht in Europa beheimatet. Die am 15. November startende Paris Photo, als einzige Spezialmesse dieser Art in Europa, findet erst zum elften Mal statt. "Der Handel mit Klassischer Fotografie begann in den 70ern in den USA", resümiert Johannes Faber, und noch heute ist dort "mit 70 bis 80 Prozent Anteil der Großteil des Marktes beheimatet". Was er von Gursky-Rekorden hält? "Hat etwas von Spekulation."

Das ist bei Fotografie der klassischen Moderne ein Vorteil, "damit kann man nicht spekulieren". Renditen erzielen scheinbar schon, und da ist der erste auf Kunstfotografie spezialisierte Fonds auch nicht mehr weit. Kommende Woche werden Details zum weltersten Art Photography Fund bekannt gegeben. Dahinter stehen Friedrich Kiradi (Geschäftsführer Merit Alternative Investments), der Sammler Alexander Spuller (Corymbus Invest AG) und Johannes Faber als künstlerischer Verantwortlicher. Das von Investoren – "keine Privatanleger, sondern Banken" – eingebrachte Kapital mit einem Volumen von 1,5 bis zwei Millionen Euro soll innerhalb der nächsten fünf Jahre auf 10 bis 20 Millionen Euro erhöht werden. Schwerpunktmäßig wird in Klassische Fotografie investiert, nur zu etwa 10 bis 20 Prozent in zeitgenössische. Die jährliche Rendite soll um die 14 Prozent liegen, ein Wert der exakt der jährlichen Steigerung des Preisindex am Kunstmarkt entspricht. (Olga Kronsteiner / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.11.2007)