Oleg Deripaska musste Rückschlag einstecken.

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Moskau - Streitigkeiten unter Oligarchen sind keine Seltenheit. Oft gehen sie mit politischem Machtwechsel einher, wie die Ukraine gezeigt hat, häufig mit Expansionsgelüsten, mitunter mit der Aufteilung eines jahrelang gemeinsam geführten Konzerns. Dass mit der Globalisierung die mittel- und osteuropäischen Machtkämpfe auch länderübergreifend werden, zeigt seit einiger Zeit der Fall des russischen Versicherungsprimus Ingosstrach.

Die Hauptkontrahenten: Oleg Deripaska, laut Forbes-Journal mit 16,8 Mrd. Dollar zweitreichster Russe, Eigentümer der Megaholding Basic Element (Basel) sowie Strabag- und Magna-Großaktionär. Auf der anderen Seite der Tscheche Petr Kellner, laut Forbes sechs Mrd. Dollar schwer. Heuer im Frühjahr verkaufte dessen Konzern PPF Investments (PPFI, Sitz auf der Kanalinsel Jersey) 51 Prozent am größten tschechischen Versicherungsunternehmen Ceska pojistovna an den italienischen Generali-Konzern.

Der Konflikt mit Deripaska begann gleichzeitig. PPFI kaufte vom russischen Oligarchen Alexandr Mamut dessen 38,5 Prozent-Anteile an Ingosstrach. Basel, das 50 Prozent an Ingosstrach hält (zehn weitere Prozente hält Deripaska direkt), versuchte daraufhin den PPFI-Anteil auf zehn Prozent zu senken, indem es auf einer Hauptversammlung am 8. Oktober eine Kapitalerhöhung von 2,5 Mrd. auf zehn Mrd. Rubel beschloss. PPFI legte Beschwerde bei der Finanzmarktaufsicht und einem russischen Schiedsgericht ein, weil man nicht entsprechend über die HV informiert gewesen und letztlich nicht zu ihr zugelassen worden sei.

Etappensieg Am 12. November nun haben die Tschechen einen Etappenerfolg erzielt: Das Schiedsgericht hat einstweilig verboten, die Kapitalerhöhung zu registrieren.

Basel wird Einspruch erheben, wie ein Konzernvertreter zum Wirtschaftsblatt Wedomosti sagte. Basel hält den Tschechen ja vor, ihre Beteiligung nicht rechtzeitig offen gelegt zu haben.

Am Mittwoch gab PPFI bekannt, dass man sich die Generali, drittgrößter Versicherer Europas, als Verstärkung geholt habe. Die Italiener übernehmen 49 Prozent an jenem Finanzvehikel mit Sitz auf Zypern, in dem Kellner seine 38,5-Prozent-Beteiligung an Ingostrach bündelt.

Russische Juristen sehen Deripaska in der schlechteren Position, weil PPFI bei der HV nicht teilgenommen habe. Für eine Kapitalerhöhung brauche es nun eine neue HV, meint Tatjana Bitchewa von der Anwaltskanzlei Lidings. Juristen weisen auch darauf hin, dass derartige Gerichtsurteile für große Konzerne in letzter Zeit nicht mehr getroffen wurden. Es erinnere vielmehr an die Praxis der 90er-Jahre.

Damals waren Aushebelung von Teilhabern mittels Kapitalerhöhung, aber auch gewaltsame Firmenübernahmen nichts Unübliches. (Eduard Steiner, Moskau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.11.2007)