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Weitere Abschreibungen und nicht cashwirksame aktienbasierte Mitarbeitervergütungen haben den börsenotierten Internetsportwetten-Anbieter bwin überraschend wieder in die Verlustzone gedrückt. Nachdem das Unternehmen im Halbjahr die Rückkehr geschafft hatte, ergab sich im dritten Quartal wieder ein Nachsteuerverlust von 5,1 Millionen Euro, auch wenn er deutlich niedriger war als noch im Vorjahreszeitraum mit 22,6 Millionen Euro.

Leichter Nettoverlust

Auch in den ersten neun Monaten stand damit wieder ein leichter Nettoverlust von 0,8 Millionen Euro zu Buche. Analysten der UniCredit (CA-IB) hatten mit einem Nettogewinn in den ersten drei Quartalen von 8,7 Mio. Euro gerechnet. Auch die von 288,7 auf 251,3 Millionen Euro gesunken Bruttowetterträge lagen nach den ersten drei Quartalen deutlich unter den Analystenerwartungen von 342 Mio. Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) lag mit 39,2 Mio. Euro im Plus (nach minus 9,4 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum), das Betriebsergebnis (EBIT) bei 3,2 Millionen Euro nach minus 53,9 Millionen Euro.

Kaufpreisreduktion

Im vierten Quartal kommt bwin jedoch die vor kurzem verarbeitete nachträgliche Kaufpreisreduktion für Ongame zugute. Laut IR-Chef Konrad Sveceny kann bwin dadurch rund 70 Mio. Euro Kaufpreisverbindlichkeiten auflösen. Das Unternehmen wird dadurch im Gesamtjahr wieder Gewinne schreiben - wie viele, wollte Sveceny noch nicht prognostizieren.

Verbesserte Rahmenbedingungen

bwin-Vorstandsdirektor Norbert Teufelberger ist aufgrund der jüngsten rechtlichen Entscheidungen positiv zur weiteren Entwicklung seines Unternehmens eingestellt, dazu gäben jüngste rechtliche Entscheidungen in Deutschland, Österreich und Frankreich Anlass. "Damit haben sich die Rahmenbedingungen deutlich verbessert", so Teufelberger bei der Präsentation der Quartalsergebnisse heute, Donnerstag.

Novellierung

Mit der gestern erfolgten Novellierung des österreichischen Glücksspielgesetzes ändere sich aus Sicht von bwin nichts - die bisher kritisierten Defizite blieben weiter bestehen, sagte eine bwin-Sprecherin zur APA. Die im EU-Vertrag festgeschriebene Dienstleistungsfreiheit werde damit weiterhin nicht umgesetzt. Daher "bleibt die Notwendigkeit für eine weitere Novelle bestehen".

Das bwin-Management ist mit den heute präsentierten Ergebnissen "sehr zufrieden", die Höhe der Abschreibungen sei deutlich gesunken. Die Marge bei den Sportwetten erhöhte sich bei bwin im dritten Quartal auf 8,5 (2. Quartal: 7,2) Prozent, im Gesamtjahr wird eine Sportwettenmarge zwischen 8 und 10 Prozent erwartet.

Brutto-Gaming-Erträge

Die Brutto-Gaming-Erträge stiegen auf vergleichbarer Basis im dritten Quartal um 20 Prozent auf 86,2 Mio. Euro, auch in den ersten neun Monaten ergab sich ein Plus von 20 Prozent auf rund 250 Mio. Euro. Daraus ergaben sich Netto-Gaming-Erträge von 223 Mio. Euro, wovon die größten Anteile auf Sportwetten (53 Prozent) und Casino (18 Prozent) entfielen.

Im dritten Quartal erhöhten bei bwin auch höhere Marketingaufwendungen die Kosten. Dieser Mehraufwand habe sich aber gelohnt: Die Zahl der aktiven Kunden stieg um 9 Prozent auf 827.000.

An der Wiener Börse notierte die bwin-Aktie am Vormittag (11.30 Uhr) bei 46,50 Euro und damit 0,4 Prozent unter dem gestrigen Schlusskurs.(APA)