Wien - In den nächsten zwei bis drei Jahren holen sich ein paar prominente Raiffeisen-Konzernfirmen wieder Geld vom Anlegerpublikum: Nach der heurigen Rückkehr des Baukonzerns Strabag an die Wiener Börse sollen auch zwei weitere Kernbeteiligungen der Raiffeisen Holding Niederösterreich-Wien - konkret Leipnik und NÖM - aufs Börsenparkett zurückkommen. Zudem könnten auch diese Firmen im Reich des russischen Strabag-Aktionärs Oleg Deripaska Projekte mit dem neuen Strabag-Partner aufziehen. Wichtigste neue Expansionszielländer des gesamten Raiffeisen-Mischkonzerns sind Russland und die Ukraine.

Holding-Chef Erwin Hameseder nannte am Donnerstag im Klub der Wirtschaftspublizisten für das internationale Mühlen-Imperium Leipnik-Lundenburger (LLI) - bekannt durch Mehlmarken wie "Fini's Feinstes" und "Farina" - den Zeitraum 2009/2010 für die Börserückkehr als realistisch. Beim Molkereikonzern NÖM könnte es 2010 soweit sein.

Leipnik war im Jänner 2002 von der Börse abgegangen, das NÖM-Delisting erfolgte im November 2003. Auch die Strabag hatte der Börse im Juli 2003 den Rücken gekehrt und war heuer im Oktober - ein paar Wochen nach dem Einstieg des russischen Stahl-Oligarchen Oleg Deripaska - wieder ans Publikum gegangen. Strabag war der bisher größte Börsegang in Wien, zehnfach überzeichnet. Raiffeisen hatte nur mit drei- bis vierfacher Überzeichnung gerechnet, gab Hameseder am Donnerstagzu.

Große Investitionen

Das glatte IPO der Strabag habe die Börseplläne für LLI und NÖM zwar nicht direkt beschleunigt, "wir sind dort aber auch in diese Richtung unterwegs", so Hameseder. Zuvor werden sowohl LLI als auch NÖM noch ein paar große Investitionen durchziehen. Also an den Börsenstorys basteln, um für die Anleger interessanter zu werden, wie der Holding-Chef ankündigte.

Der Molkereikonzern NÖM mit Sitz in Baden und Wien baut 2008 für 70 Mio. Euro zwei große Molkereien im Ausland, zur Abwicklung wurde die NÖM International gegründet. In der Ukraine nahe Kiew wurde eine kleine Molkerei gekauft, die wird zu einer großen ausgebaut. In Mittelengland (Raum Birmingham) ist ein Betriebsgrundstück, das fast die Dimension der Betriebsfläche von Baden hat, schon gekauft, in den nächsten Monaten sollen die Behördenverfahren fertig sein, Ende 2008 soll der Neubau stehen. 2009 sollen die zwei neuen Werke in Vollbetrieb sein und ein neuer Umsatzschub eintreten. "Ich schließe nicht aus, dass wir in der Region Krasnodar auch eine Molkerei machen", sagte Hameseder. Bei der NÖM könnte die Holding via IPO auf rund 51 Prozent zurück gehen.

Bei Leipnik Lundenburger Invest ist mit dem Zukauf von Mühlen in Rumänien und Bulgarien die große Investitionswelle im Mühlengeschäft vorerst abgeschlossen. Auch für LLI ist die Ukraine ein Thema für die Zukunft, in fernerer Zukunft auch Russland. Große Investitionen in diesem Raum stehen aktuell für die LLI-Sparte Vending an, also im Geschäft mit Automatenverkauf (Heißgetränkeautomaten). Die neu installierte operative Mühlenholding "LLI Euromills", die quer über die Mühlenbeteiligungen in allen Ländern das Geschäft steuert, wird per Februar 2008 einen hauptberuflichen Chef haben. Im Vending stehen Investments an, "die in die 200-Millionen-Dimension" gehen, so Hameseder heute. Vorm Börsegang soll LLI auf eine Mrd. Euro Umsatz und deutlich mehr als 50 Mio. Euro Gewinn kommen.

Weitere Kooperationen

Zum Mischkonzern Raiffeisen-Holding gehören 660 Unternehmen. Zu den großen Kern-Beteiligungen zählen unter anderem Raiffeisen-Landesbank, RZB, Strabag, Agrana, LLI, NÖM, Immobilien und Medien (Mediaprint). Russland und Ukraine zählen zu den Märkten, in denen man bald einmal noch stärker vertreten sein will. Und da könnte es auch zu weiteren Kooperationen mit dem Strabag-Aktionär und Kooperationspartner Deripaska und dessen Mischkonzern Basic Elements kommen. Hameseder erhebt bis Ende des 1. Halbjahrs 2008 Expansions- und Kooperationsansätze für die einzelnen Kernfirmen. Russland-Aktivitäten werden für Vending ebenso geprüft wie für Do&Co, die Außenwerbung oder die Molkereisparte. Mit Hilfe von Deripaska? Dass man Projekte an den Partner herantragen werde, sei logisch, formuliert man bei Raiffeisen. "Es gibt da Übereinstimmung". Stark Fuß fassen will man im Osten auch bei alternativer Energieerzeugung.

Bei der Raiffeisen Holding zeichnet sich laut Hameseder für 2007 ein 20-prozentiges Gewinnplus (Jahresüberschuss) ab. Das Ergebnis werde "mit Sicherheit" in die Richtung von rund 600 Mio. Euro gehen. Im Vorjahr waren es rund 500 Mio. Euro. Alle Töchter entwickelten sich gut, es gebe keine Sorgenkinder, das war nicht immer so. Auch aus dem Strabag-Börsegang lukriert die Beteiligungsholding wie berichtet satte Buchgewinne. (APA)