Google-Österreich-Chef Karl Pall und Produkt-Manager Christoph Oehler

Pressefotos.at/Niko Formanek
Knapp ein Jahr nach der Eröffnung der österreichischen Niederlassung des Suchmaschinen-Primus Google , stellte Unternehmenschef Karl Pall im Rahmen einer Pressekonferenz die neue, lokalisierte Version des Online-Kartendienstes Google-Maps vor.

Damit stehen den heimischen Nutzern die schon bisher bekannten Funktionen samt einer umfassenden Lokalisierung bezüglich Sprache, Infrastruktur und Informationen zur Verfügung.

Erster Meilenstein

Laut Pall stellt das Produkt einen Meilenstein am weiten Weg zur Lokalisierung der Google-Dienste dar. Anlass hierfür sei die Erkenntnis gewesen, dass 80 Prozent aller abrufbaren Informationen einen geographischen Bezug haben, 50 Prozent der Anfragen einen lokalen Bezug.

Mit der angepassten Ausgabe sollen laut Google künftig Unternehmen und Dienstleistungen direkt in der gewünschten Umgebung gesucht werden können. Ein lokales Branchenverzeichnis mit Nutzer-Bewertungen unterstütze dieses Vorhaben zusätzlich.

Der Service an sich besteht aus elektronischen Land- und Straßenkarten, die beliebig her- und weggezoomt werden können. Verifizierte Partnerunternehmen - wie zum Beispiel Gastronomen - ergänzen die Karten mit ihren persönlichen Informationen, daneben gebe es bereits ein integriertes Branchenverzeichnis. Darüber hinaus seien auch alle Internetbenutzer dazu aufgerufen, die Landkarten mit ihren Botschaften zu füttern, wie z.B. Hoteltipps, Fotos von Sehenswürdigkeiten, aber auch Videos, welche beispielsweise auf Youtube zu finden sind.

Sachertorte

Unternehmen haben durch das Online-Anzeigenmodell AdWords die Möglichkeit gezielt Kunden anzusprechen, die in ihrer Umgebung nach einem speziellen Produkt oder einer Dienstleistung suchen. Als Beispiel führte Produkt-Manager Christoph Oehler den Suchbegriff "Sachertorte" an. Nach der Eingabe werden sämtliche Standorte auf der Karte angezeigt, die diese Speise führen, zusätzlich werden seitlich relevante Anzeigen platziert.

Jedes passende Restaurant ist auf der Karte mit einer Blase gekennzeichnet, die wichtige Informationen wie Telefonnummer und Adresse enthält. Außerdem kann der User andere durch seine persönliche Bewertung über das Lokal profitieren lassen.

Nachdem Google lediglich die Plattform stellt, sind die Nutzer und Unternehmer selbst in der Lage den Informationsgehalt zu bestimmen. Unternehmen können sich selbst und kostenlos auf Google Maps eintragen.

Boehler sieht dadurch eine große Chance für kleine und mittlere Betriebe, kostengünstig Suchmaschinen-Marketing zu betreiben.

Handy

Lokale Informationen können nicht nur über Google Maps am Computer, sondern auch unterwegs über das Handy gesucht und gefunden werden. Google Maps für Handys ist ein kostenloser, einfach zu verwendender Dienst, mit dem Wegbeschreibungen abgerufen und Dienstleistungen gesucht werden können. Der Dienst steht zum Download bereit. Unterstützt werden bislang Systeme wie Symbian, Blackberry oder Windows Mobile. Die Verfügbarkeit soll stetig ausgeweitet werden.

Konkurrenz

Verfügt ein Mobiltelefon auch über GPS, fungiert "Maps" auch als Navigations-Dienst. Aber auch ohne GPS können Routen-Pläne sowohl am PC, als auch am Handy automatisch erstellt werden. Aufgrund einer Kooperation ist für BMW-Fahrer auch möglich, die Routen an das eigene Fahrzeug senden zu lassen. Später sollen auch andere Automobil-Konzerne folgen.

Dass diese Funktionalität eine Bedrohung für konventionelle GPS-Dienstleister ist, verneint der Suchmaschinengigant. Man hege nicht die Absicht eine Produktsparte zu erobern. Dennoch dürfte das kostenlose Angebot in Verbindung mit GPS-fähigen Endgeräten künftig Marktanteile für sich beanspruchen. Bis es soweit ist, dürften allerdings noch einige Telekommunikationsregulierungen ins Land gezogen sein. Denn aufgrund der hohen Gebühren für Daten-Roaming im EU-Raum dürfte der Einsatz von "Mobile Maps" eher selten geschehen.

Entwicklung

Die Lokalisierung von Google Maps geschieht dabei in Zürich. Ein 300 Mann starkes Entwicklerteam arbeitet an der stetigen Ausweitung des Karten-Dienstes. Künftig sollen auf Grund des User-Feedbacks Funktionen angepasst werden. Neue Satelliten-Bilder werden nach Verfügbarkeit eingebunden. Auch "Street View" soll kommen. Nachdem das Projekt gerade erst acht US-Großstädte abdeckt, wagt man diesbezüglich allerdings nicht über mögliche Erschinungstermine zu spekulieren.

Ausblick

Google-Österreich erhofft sich durch den Start des lokalisierten Dienstes künftig zahlreiche Partnerschaften. Laut Pall wolle man selbst noch weiter wachsen. Das 12-köpfige Team sucht in allen Bereichen, vom Marketing bis zur Entwicklung, noch Mitarbeiter.(Zsolt Wilhelm)