"Erinnerung an meine traurigen Huren"

Foto: Fischer Verlag

Teheran – Der Iran verbietet nach jüngsten Agenturmeldungen die Neuauflage des jüngsten Romans von Gabriel Garcia Márquez, "Erinnerung an meine traurigen Huren". Das Buch des kolumbianischen Nobelpreisträgers wurde ins Persische übersetzt und vor drei Wochen veröffentlicht. "Die Veröffentlichung des Buches war ein Fehler", erklärte nunmehr ein Sprecher des iranischen Kulturministeriums.

"Der Verantwortliche für die Veröffentlichungsgenehmigung wurde entlassen (...), und der Verleger wird sich rechtfertigen müssen", so der Sprecher weiter. "Erinnerung an meine traurigen Huren" erzählt die Geschichte eines 90-jährigen Journalisten, der lange Zeit mit Prostituierten verkehrt hat und eine Beziehung mit einer Minderjährigen beginnt.

In der iranischen Version wurde das Wort "Prostituierte" durch "meine Schöne" ersetzt. In den vergangenen Tagen hatten konservative Kreise gegen diesen "unmoralischen Roman" protestiert. Die Sache ist insofern heikel, als die Begehrlichkeiten der Hauptfigur dem Bereich der Imagination angehören.

Die Regierung von Präsident Ahmadinedschad hatte kurz nach ihrem Amtsantritt im Sommer 2005 beschlossen, dass jede Neuauflage von bereits genehmigten Büchern zwecks Zensur neu geprüft werde muss. (poh / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.11.2007)