Wien – "Mehrfaches Versagen" erkennt die globalisierungskritische Organisation Attac angesichts der noch immer nicht überstandenen Finanzkrise. Ex-Fed-Chef Alan Greenspan schätzt, 900 Milliarden Euro an Krediten seien wegen des Zusammenbruchs des US-Hypothekenmarktes weltweit gefährdet. Die Forderung Attacs: Es müsste eine EU-weite Regulierungsbehörde nach Vorbild der Europäischen Zentralbank entstehen.

Christian Felber, Attac-Mitbegründer aus Österreich, sagte bei einer Pressekonferenz am Donnerstag, dass die Risikostreuung über verbriefte Hypothekarkredite "die Banken gerade zu eingeladen hätte, Kredite an Schuldner mit schlechter Bonität zu vergeben". Cornelia Staritz, Attac-Finanzmarktexpertin: "Jeder wusste, das ist eine Blase. Es gab aber gar keinen Grund, nicht mitzutun, solange die Häuserpreise gestiegen sind."

Attac fordert nun, dass wieder mehr Augenmerk auf funktionierende Realmärkte gelegt werde, dass sie Finanzmärkte von den Behörden strenger kontrolliert werden. So sollen neue Derivate genehmigungspflichtig sein, die Eigenkapitalvorschriften für Banken (Basel II) sollten strenger, gleichzeitig flexibler werden. Felber: "Kredite an Fonds sollten strenger beurteilt werden als Kredite an KMUs, die etwas produzieren." Auch die Ratingagenturen hätten versagt, man solle über die Einrichtung öffentlicher Beurteilungseinrichtungen nachdenken, so Attac. (szem, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.11.2007)