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Fans lassen die Ordner oft einiges anschauen, bei einem Wiener Derby mehr als bei anderen Ligaspielen.

Foto: APA/Artinger
"EURO-Testlauf" nennt man das, wenn Österreichs Nationalmannschaft knapp sieben Monate vor dem fußballerischen Großereignis heute, Freitag, im mit 45.500 Menschen vollbesetzten Happel-Stadion in aller Freundschaft gegen England spielt, das immerhin mehr als 4000 Fans mitbringt. Ein Testlauf natürlich nicht nur für die Kicker, sondern auch für die Sicherheitskräfte, zu denen neben den rund 600 Polizisten auch 650 Ordner gehören.

Der österreichische Fußballbund, aber auch Rapid, die Austria und Meister Salzburg vertrauen in diesem Bereich der Firma Securitas, die unter dem Titel Veranstaltungssicherheit durch rund 95.000 Einsatzstunden nur 1,5 bis 1,7 Millionen ihres Gesamtumsatzes von mehr als 42 Millionen Euro lukriert.

2008 wird das anders sein, für die von 7. bis 29. Juni auszuspielende EURO bildete Securitas mit den Konkurrenz- bzw. in diesem Fall Partnerunternehmen G4S (Group 4), Österreichischer Wachdienst, siwacht und VIAS die ARGE Stadionsicherheit und bewarb sich erfolgreich um den Auftrag, mit rund 3500 Mitarbeitern in Österreich für sie, die Sicherheit, zu sorgen.

Bei Fußballveranstaltungen haben private Sicherheitsleute, für die von den Unternehmen ein Stundensatz von 16 bis 20 Euro verrechnet wird, vor allem präventiv zu wirken und die Einhaltung der Stadien-Ordnung (Hausrecht) zu überwachen. Enge Zusammenarbeit mit der Exekutive, der die Letztentscheidung obliegt, ist selbstverständlich. Kommt es zu Ausschreitungen, so können Ordner unter Berufung auf die Jedermannsrechte, also die allen Menschen zustehenden zivil- und strafrechtlichen Notrechte (Abwehr von Gefahr und Schaden, Notwehr, Notwehrhilfe) handeln. Begriffe wie Verhältnismäßigkeit oder amtliche und hoheitliche Tätigkeiten spielen da eine große Rolle und schreien geradezu nach ausführlicher Schulung der Mitarbeiter.

Visitenkarte Ordner

Die ist auch den Vereinen ein Anliegen. "Die Ordner", sagt Austria-Manager Markus Kraetschmer, "sind schließlich in der Regel die ersten Kontaktpersonen für Fans, die ins Stadion kommen. Ihr Verhalten ist eine Visitenkarte für den Klub." Die Bundesliga-Vereine sind durch die Lizenzbestimmungen dazu verpflichtet, mit Ordnern und in Zusammenarbeit mit der Polizei für die Stadiensicherheit zu sorgen. Eine Leistung, die in Österreich jeder Klub zukaufen muss. "Selbst können wir das nicht organisieren. Das geht nur bei Vereinen wie Dortmund, die alle zwei Wochen 80.000 Fans begrüßen." Die Austria selbst beschäftigt lediglich rund 20 Ordner für den VIP-Bereich.

Mit mehr als 200.000 Euro veranschlagt Kraetschmer die Kosten, die der Austria pro Saison durch private Sicherheitsleistungen entstehen. Nicht eingerechnet sind die Summen, die für den Einsatz von Polizisten innerhalb des Stadions verrechnet werden. Die öffentlichen Ordnungshüter kommen etwas günstiger. Bei einem normalen Bundesligaspiel im Horr-Stadion findet die Austria mit knapp 100 Ordnern das Auslangen. Steht ein Derby gegen Rapid an, oder spielt die Austria im viel größeren Happel-Stadion, sind es mehr als 150 Damen und Herren. "Aber der Aufwand für die Stadien-Sicherheit", sagt Kraetschmer auch, "wird von Saison zu Saison höher." (Sigi Lützow/DER STANDARD, Printausgabe, 16.11.2007)