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In Wien viel Neues. Das Gastspiel von Nick Hornby, Star der Aktion "Eine Stadt. Ein Buch", beginnt am Sonntag.

Foto:APA/EPA/Dedert

Standard:Was wissen Sie vom österreichischen Fußball? Kennen Sie österreichische Fußballer, österreichische Vereine?

Hornby: Well, Alex Manninger war eine Zeitlang Arsenal-Goalie, er war mit uns 1997/98 Meisterschaft- und FA-Cup-Sieger. Fans erinnern sich gerne an seine Leistung 1998 in Old Trafford, wo wir Manchester United 1:0 geschlagen haben. Dann kann ich mich noch an ein 6:1 Arsenals gegen die Wiener Austria 1991 erinnern, es war Arsenals Europacup-Comeback nach der Sperre der englischen Klubs. Sorry, aber das war ein schöner Abend.

Standard: "Fever Pitch" ist stark autobiographisch, Sie sind eingefleischter Arsenal-Fan. Sind Sie immer noch so begeistert, haben Sie ein Abo?

Hornby: Ich bin nicht mehr so besessen wie früher. Seit dem Erscheinen des Buchs bin ich dreimal Vater geworden, und Kinder können die Energie, die einer für Fußball aufbringt, schon beeinflussen. Auch hat sich Arsenal stark verändert. Sie feiern keine hässlichen Siege mehr. Wahrscheinlich spielen sie den besten Fußball in Europa, und skurrilerweise wirkt das auf mich eher distanzierend. Ich liebe es, ihnen zuzusehen, aber es ist, als würde ich ins Kino gehen. Und es ist so furchtbar gemütlich im Stadion. Aber ich habe noch immer ein Abo, und ich habe in den letzten zehn Jahren maximal zehn Heimspiele verpasst.

Standard: "Fever Pitch" dreht sich aber auch um Auswärtsspiele, um das Reisen. Diesbezüglich haben Fans immer weniger Möglichkeiten. Stadien in England sind weit im voraus ausverkauft, Italien will Fans generell Reisen zu Auswärtsspielen verbieten. Ein Jammer?

Hornby: Ich weiß nicht, ob das den Fußball wirklich stark betrifft. Wichtiger ist es wohl, für Sicherheit in den Stadien zu sorgen. Und natürlich ist die Gefahr minimiert, wenn Fans zweier Teams gar nicht erst aufeinander treffen können.

Standard: Hooliganismus ist heute in Italien ein großes Problem, England hat dieses Problem scheinbar völlig in den Griff bekommen.

Hornby: Da waren einige Faktoren mit im Spiel. Die Polizei hat mehr Befugnisse bekommen, in den Stadien gibt es nur noch Sitzplätze. Und vor allem - das Fußball-Publikum ist alt, in meinem Alter. Jugendliche können sich die Tickets nicht leisten, und 40- bis 50-jährige Männer fighten nicht so viel. Die Jungen haben eine ganz neue Beziehung zum Fußball. Die sind zweimal pro Jahr im Stadion, den Rest sehen sie sich im TV an.

Standard: Wieso ist ausgerechnet Fußball so "attraktiv" für Hooligans? Fehlt dem Spiel selbst die Kontrolle, im Vergleich etwa zu US-Sportarten wie Football, Baseball?

Hornby: Ich glaube nicht, dass der Hooliganismus irgendetwas mit dem Sport selbst zu tun hat. Dass etwas im Fußball steckt, das Menschen gewalttätig werden lässt. Amerika hat auch ein Hooligan-Problem, dort sind es halt Bandenkriege ohne Fußball.

Standard: Englands Premier League wird oft als weltbeste Liga bezeichnet. Wieso ist die englische Nationalmannschaft vergleichsweise schwach, wieso muss sie um die Qualifikation für die EURO 2008 bangen?

Hornby: Die Premier League ist so toll wegen all der Afrikaner, Franzosen, Spanier und so weiter, die in England spielen. Und es gibt nicht einen einzigen großen englischen Coach.

Standard: Klingt, als wären Sie auch kein großer Fan des englischen Nationalteams.

Hornby: Bin ich wirklich nicht. Das liegt nicht nur daran, dass bei Arsenal kaum ein Engländer spielt. Ich glaube, Länderspiele sind ziemlich sinnlos geworden. Die Idee dahinter war, dass Nationalmannschaften "Dream Teams" sein sollten, stärker als jeder Klub. Jetzt sind die "Dream Teams" natürlich längst in Barcelona, Madrid und Manchester daheim, und sie sind viel stärker, als ein Nationalteam je sein könnte. Ich bin mir auch nicht sicher, ob Länderspiele von großen Spielern überhaupt noch ernst genommen werden. Bei den Engländern hab' ich immer das Gefühl, sie spielen bei ihren Klubs besser als im Team.

Standard: Wie wichtig ist die Literatur für den Fußball, wie wichtig der Fußball für die Literatur? Hat Sie jemand beeinflusst, als Sie darangingen, "Fever Pitch" zu schreiben?

Hornby: Ich glaube, der Fußball hätte sich mehr Bücher verdient. Viele hervorragende Schriftsteller haben sich mit Cricket, Baseball, Boxen und Golf befasst, aber nur wenige mit Fußball. Ich war auch nicht von Fußball-Literatur beeinflusst - "Fever Pitch" war eher durch Memoiren von US-Schriftstellern inspiriert, speziell von Tobias Wolffs "This Boy's Life" und Frederick Exleys "A Fan's Notes".

Standard: 100.000 Menschen in Österreich können Ihr Buch "Fever Pitch" jetzt lesen, ohne dafür zu bezahlt zu haben.

Hornby: Oh, das Geld spielt da gar keine Rolle. Es ist einfach toll, dass das Buch 15 Jahre immer noch so lebendig ist, 15 Jahre nach der ersten Veröffentlichung.

Standard: Denkbar, dass Sie ein zweites Buch über Fußball schreiben?

Hornby: Nein, zum Thema Fußball habe ich alles gesagt, was ich zu sagen hatte. (Fritz Neumann, DER STANDARD Printausgabe 16.11.2007)