Wien/Valencia – Der vierte und letzte Teil des Weltklimaberichts, der am Freitag in Valencia fertiggestellt wurde, mahnt wegen gestiegener Risiken für die Zivilisation infolge des Klimawandels. "Bei einem Anstieg der Temperaturen um 1,5 bis 2 Grad sind die negativen Folgen gravierender als noch im dritten Bericht angenommen", erklärte Österreichs Vertreter im Weltklimarat (IPCC), Klaus Radunsky, im Gespräch mit dem STANDARD.

Konkret sei bei dem genannten Temperaturanstieg davon auszugehen, dass 30 Prozent der Arten in Flora und Fauna vom Aussterben bedroht seien. Bei einer Erhöhung um 3,5 Grad steige der Anteil auf 40 Prozent, so Radunsky, der als Klimaexperte beim Bundesumweltamt tätig ist. Eine Konsequenz des Klimawandels sei die Gefahr extremer Wetterereignisse. "Das macht auch vor hoch entwickelten Ländern wie den USA nicht halt." Erhärtet habe sich freilich die These, dass arme Regionen von den Veränderungen am stärksten betroffen seien. Ebenfalls unterstrichen wurde, dass der alpine Raum besonders unter dem Klimawandel leide. "Die Betroffenheit nach regionalen Gesichtspunkten wurde detailliert dargestellt", erläuterte er.

Wasserknappheit

Besonders Eindruck habe die Arbeit auf die Mittelmeerstaaten gemacht, weil sich in diesen Breitengraden die drohende Wasserknappheit klar ableiten lasse. Auf diese neuen Erkenntnisse wies auch Gabriela Goerne von Greenpeace hin. "Es liegt nun klar auf der Hand, dass schon geringere Temperaturschwankungen sehr große Folgen haben", betonte sie im Gespräch mit dem STANDARD. Das gelte etwa für das Abschmelzen der Gletscher, das sich rasanter entwickle als bisher angenommen.

Laut dem IPCC-Entwurf werden die Temperaturen auch weiter steigen, wenn die Menschheit sofort und vollständig auf den Ausstoß von Treibhausgasen verzichten würde. "Selbst unter den striktesten Klimaschutzszenarien sind eine weitere Erwärmung und einige der damit verbundenen Auswirkungen im Laufe des 21. Jahrhunderts bereits unvermeidlich", zitierten Nachrichtenagenturen aus dem Dokument.

Erwärmung

Der Weltklimarat hat allerdings schon zuvor darauf hingewiesen, dass die globale Temperatur selbst dann noch um 0,1 Grad Celsius steigen werde, wenn die Konzentration von Treibhausgasen und Aerosolen in der Atmosphäre auf dem Niveau des Jahres 2000 verharren würde. "Dies ist hauptsächlich auf die langsame Reaktion der Ozeane zurückzuführen", heißt es in dem Bericht.

Die Wissenschaftlerin Eva Bauer vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung erläuterte diese Woche, dass das Klimasystem von großer Trägheit sei. Die bereits emittierten Gase sorgten dafür, dass die Ozeane sich künftig weiter erwärmten.

Verheerende Szenaruien

Der IPCC hat mehrere Szenarien durchgerechnet, dessen verheerendstes eine durchschnittliche Erderwärmung um bis zu 6,4 Grad bis Ende dieses Jahrhunderts und einen Anstieg der Meeresspiegel von fast 60 Zentimetern prognostiziert. Im schlimmsten Fall könnte der Meeresspiegel im Verlauf der nächsten Jahrhunderte bis zu sieben Meter ansteigen, das grönländische Eisschild wäre dann vollständig verschwunden. Der Bericht ist etwa 70 Seiten lang und wurde am Freitag von den 145 IPCC-Staaten angenommen. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17./18.11.2007)